Unser Garten ist Gold wert – Teil 4 der Buchbesprechung

Gärtner werden

Unser Garten ist Gold wert

Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst. Rodolphe Grosléziat. Ulmer Verlag 2011. 256 S., 285 Farbf., 17 Tab., Klappenbroschur

Von den sechs Hauptrubriken ist die zweite die persönlichste.
Rodolphe Grosléziat läßt den Leser teilhaben an seinem Weg vom Stadtmenschen und Pendler zum Ökogärtner in der Provinz,  gemäß seinem Motto: Man ist nicht Gärtner – man wird dazu.

So gibt er Ratschläge zum Erwerb der nötigen Fachkenntnisse und setzt dabei nicht nur auf Gartenliteratur und Internetforen sondern auch auf das direkte Gespräch mit dem Gärtnerkollegen nebenan. Und ist dabei aber immer kritisch, wenn es um festgefahrene Lehrmeinungen geht – ein „das haben wir schon immer so gemacht“ lässt der Autor nicht gelten.

Ein schönes Beispiel dafür ist das Mulchen! Entgegen mancher Ökogärtnerkreise ist Grosléziat überzeugt, dass Mulchen zwar grundsätzlich eine gute Sache für den Garten ist, aber nicht immer und überall! Wer Probleme mit Schnecken hat, muss ihnen nicht auch noch ein feuchtes Nestchen bauen oder wer auf widerstandsfähige Selbstaussaten in den Beeten setzt, mulcht halt nur seine Obststräucher. Gerade der letzte Aspekt hat mich persönlich angesprochen: Da hat der Autor formuliert, was mir schon lange auf der Zunge liegt.

Mit „Gärtner werden“ spannt Grosléziat den Bogen von den ersten persönlichen Erfahrung zu Regenwasser, Nützlingen  und Kräuterbrühen hin zur mehr oder minder planvollen Anlage eines Gemüsegartens.
Und Planung Garten  ist auch das Thema der dritten Hauptrubrik.

Erst nachdenken, dann Handeln

Geht es um Säen und Pflanzen, verweist der Autor noch einmal auf die Kraft der Kommunikation und ruft aus: Tausche und teile!
Er bleibt dabei aber nicht im Ungefähren, Wohlfeilen: Der Tipp, den richtigen Abstand beim Säen von Radieschen durch die  Zinken eines Rechens zu markieren, ist so neu wie genial.

Auf über 40 Seiten erhält der angehende Gärtner wertvolle Tipps von den ersten Samen bis zur Anlage von Wintervorräten inkl. der notwendigen Vorbereitungen für den Garten in der Urlaubszeit.
Dazu spendiert der Autor auch noch einen Aussaatplan für die ganzjährige Ernte – garniert mit eigenen Erfolgen und Misserfolgen – sowie einen Monatsplan für anfallende Gartenarbeiten.

So gerüstet, kann der angehende Gärtner wie auch der alte Praktiker aus der Fülle der Gemüsearten seine persönliche Auswahl treffen.

Das Gemüse im Garten

Ich dachte, für mich als alten Praktiker wäre diese Rubrik die Wichtigste – ich wüsste  ja schließlich schon (fast) alles und bräuchte nur ein Nachschlagewerk zu den Gemüsearten.
Dass ich damit falsch lag, zeigte mir die Lektüre bis hierher: Der Gärtner Grosléziat hat mich in seiner persönlichen Art angesprochen und Horizonte eröffnet.

Trotzdem wird das Buch auch wegen der Gemüse-Steckbriefe künftig seinen Platz neben dem Standardwerk: Der Biogarten von Marie-Luise Kreuter finden.
Klug eingeteilt in Gruppen wie Kräuter, Wurzelgemüse oder Hülsenfrüchte hat jedes Gemüse oder Obst seinen informativen Kurzsteckbrief mit Hinweisen zu Anbau, Ernte und Nutzung sowie – und das ist ein Alleinstellungsmerkmal – zur Pflanzenvermehrung bzw. Kultivierung eigenen Saatsguts.

Wie immer lässt auch hier der Autor seine ganz persönlichen Erfahrungen einfließen; Das macht diese Gemüse-Beschreibungen so besonders und wertvoll.  Und ganz persönlich lässt er auch das Buch enden.
Bei allem wirtschaftlichen Ertrag und finanziellem Vorteil, den der Autor durch eigene Buchführung detailliert belegt – im Resümee am Ende von „Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst.“ bringt Rodolphe Grosléziat es noch ein einmal auf den Punkt: „Die Wesentlichen Aspekte eines Gartens  sind nicht quantifizierbar.“

Und er entlässt seine Leser mit einem Schlußsatz, der für jeden Gärtner Auftrag ist, es ihm gleich zu tun.
Aber den müssen Sie aber selber lesen!

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