Unser Garten ist Gold wert – die Buchbesprechung (alles)

Unser Garten ist Gold wert

Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst. Rodolphe Grosléziat. Ulmer Verlag 2011. 256 S., 285 Farbf., 17 Tab., Klappenbroschur

Die Post hat mir mein neues Gartenbuch gebracht. „Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst” aus dem Ulmer Verlag – ich bin gespannt!.
Ich packe das Buch aus und bin sehr angenehm überrascht: Das Buch ist aufwändig und hochwertig gemacht: Gute Qualität mit warmen Farben und schönen Bildern.

Der Klappentext stimmt auch gleich auf das Thema ein:
“Über Jahrzehnte verschwanden Gemüsegärten zugunsten von Rasenflächen und Freizeitgärten. Aber in einer Zeit, da man sich um die Qualität der Lebensmittel und um die Auswirkungen der Anbaumethoden auf die Umwelt sorgt, scheint das eigene Gemüsebeet als gute Alternative”.

Für den französischen Autor Rodolphe Grosléziat aber war der eigene Garten nicht nur eine vage Möglichkeit sondern ein inneres Muss.

Als absoluter Neuling stürzt er sich 2002 in die Neuanlage und Pflege eines großen Gartens – mit Begeisterung und Mut für neue Wege. Erfolgreich, wie sich zeigt, denn schon 2007 ist er Sieger in einen Gemüsegarten-Wettbewerb. Mit seinem Buch lässt er den Leser wie in einem Tagebuch teilhaben an seinen Ideen, Erfolgen und Misserfolgen.

Übersicht

Das Inhaltsverzeichnis ist übersichtlich gegliedert in 6 Rubriken mit einem Schwerpunkt in der Gärtnerpraxis von knapp 150 der insgesamt 256 Seiten. Ein Drittel davon widmet der Autor der Gartenplanung, zwei Drittel den einzelnen Kräuter-, Beerenobst und Gemüsesorten.
Die restlichen Seiten des ansprechenden Buches teilen sich weitere Rubriken wie das einleitende „Wozu ein ein Gemüsegarten“ oder „Gärtner werden“. Nach der Rubrik „Das kommende Anbaujahr“ folgt ein Service-Teil mit Literaturverzeichnis, nützlichen Adressen und Online-Shops sowie einem umfangreichen Sachregister von A bis Z.

Das verspricht eine erfolgreiche Einführung ins Gärtnern für den Anfänger aber auch wertvolle Informationen für den langjährigen Garten-Praktiker.
Nicht ganz gelungen finde ich das Layout des Inhaltsverzeichnisses mit der Gruppierung der Rubriken in Kästen, wobei der fachliche Hauptteil mit den Kräuter- und Gemüsesteckbriefen nach unten in die 2. Reihe rutscht und eine andere Überschriftenfarbe erhalten hat.

Wozu ein Gemüsegarten?

Jeder Gärtner stellt sich irgendwann die Sinn-Frage, gibt es doch (noch) das Gemüse für ein paar Cent im Supermarkt und für nicht viel mehr im Bioladen.
Rodolphe Grosléziat stellt die Frage anders: Wozu ein Gemüsegarten? und gibt darauf aus eigener Erfahrung und sehr persönlich Antworten. Er hat dabei insbesondere die gesunde Ernährung der Familie im Blick und will unabhängig – autonom – werden. Aber auch die Bildung der Kinder und der Schutz der Umwelt sind für Rodolphe Grosléziat gute Gründe, einen eigenen Gemüsegarten anzulegen.

Es ist dieser ganz persönliche Ansatz, sympathisch,  authentisch und dabei völlig undogmatisch, mit dem der Autor den Leser für sich gewinnt und mitnimmt auf die Reise in einen erlebten und gelebten Haus- und Gemüsegarten als magischen Ort erfüllbarer Versprechen zwischen Ordnung und Chaos.

Gärtner werden

Von den sechs Hauptrubriken ist „Gärtner werden“ die persönlichste.
Rodolphe Grosléziat lässt den Leser teilhaben an seinem Weg vom Pendler und Stadtmenschen zum Ökogärtner in der Provinz gemäß seinem Motto: Man ist nicht Gärtner – man wird dazu.

So gibt er Ratschläge zum Erwerb der nötigen Fachkenntnisse und setzt dabei nicht nur auf Gartenliteratur und Internetforen sondern auch auf das direkte Gespräch mit dem Gärtnerkollegen nebenan. Und ist dabei aber immer kritisch, wenn es um festgefahrene Lehrmeinungen geht – ein “das haben wir schon immer so gemacht” lässt der Autor nicht gelten.

Ein schönes Beispiel dafür ist das Mulchen! Grosléziat ist überzeugt, dass Mulchen zwar grundsätzlich eine gute Sache für den Garten ist, aber nicht immer und überall! Wer Probleme mit Schnecken hat, muss ihnen nicht auch noch ein feuchtes Nestchen bauen, oder wer auf widerstandsfähige Selbstaussaten in den Beeten setzt, kann halt nur sein Beerenobst mulchen. Da hat der Autor( einmal mehr) formuliert, was auch mir schon lange auf der Zunge liegt.

Mit “Gärtner werden” spannt Grosléziat den Bogen von den ersten persönlichen Erfahrung zu Regenwasser, Nützlingen und Kräuterbrühen hin zur planvollen Anlage eines Gemüsegartens.
Und Gartenplanung ist auch das Thema der dritten Hauptrubrik.

Erst nachdenken, dann Handeln

Unter „Erst nachdenken, dann Handeln“ erhält der angehende Gärtner auf über 40 Seiten wertvolle Tipps von den ersten Samen und Pflanzen bis zur Anlage von Wintervorräten und der Vorbereitungen für den Garten in der Urlaubszeit. Dazu spendiert der Autor auch noch einen Aussaatplan für die ganzjährige Ernte – garniert mit eigenen Erfolgen und Misserfolgen – sowie einen Monatsplan für anfallende Gartenarbeiten.

Rodolphe Grosléziat bleibt bei seinen vielen Hinweisen und Ratschlägen aber nicht im Ungefähren, Wohlfeilen: Der Tipp, den richtigen Abstand beim Säen von Radieschen durch die Zinken eines Rechens zu markieren, ist einfach genial.

So gerüstet, kann nun der angehende Gärtner wie auch der gewiefte Praktiker aus der Fülle der Gemüsearten seine persönliche Auswahl treffen.

Das Gemüse im Garten

Beim Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses glaubte ich, für mich als alten Praktiker wäre die Rubrik „Das Gemüse im Garten“ die Wichtigste – ich wüsste ja eigentlich schon (fast) alles und bräuchte nur ein schnelles Nachschlagewerk zu den Gemüsearten. Dass ich damit falsch lag, zeigte mir die Lektüre bis hierher: Der Gärtner Grosléziat hat mich in seiner unkonventionellen Art persönlich angesprochen und Horizonte eröffnet.

Trotzdem wird das Buch auch wegen der Gemüse-Steckbriefe künftig seinen Platz haben neben meinem persönlichen Standardwerk „Der Biogarten“ von Marie-Luise Kreuter.
Klug eingeteilt in Gruppen wie Kräuter, Wurzelgemüse oder Hülsenfrüchte hat jedes Gemüse oder Beerenobst seinen informativen Kurzsteckbrief mit Hinweisen zu Anbau, Ernte und Nutzung sowie – und das ist neu und einzigartig – zur Pflanzenvermehrung bzw. Kultivierung eigenen Saatguts.

Auch hier lässt der Autor wieder seine ganz persönlichen Erfahrungen einfließen und das macht diese Gemüse-Beschreibungen so besonders und wertvoll.

Ausklang

Und ganz persönlich lässt er auch nach einigen Hinweisen für „Das kommende Anbaujahr“ das Buch enden:
Bei allem wirtschaftlichen Ertrag eines eigenen Gemüsegartens und finanziellem Vorteil, den der Autor durch eigene Buchführung detailliert belegt – im Resümee am Ende von “Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst.” bringt Rodolphe Grosléziat es noch ein einmal auf den Punkt: Die Wesentlichen Aspekte eines Gartens sind nicht quantifizierbar.

Und entlässt er seine Leser mit einem Schlusssatz, der für jeden Gärtner Auftrag sein muss, es ihm gleich zu tun.
Aber den müssen Sie selber lesen!

Bestellen können Sie das Gartenbuch unter „Unser Garten ist Gold wert. Eine Familie versorgt sich selbst“.
Danke an http://www.bloggdeinbuch.de für das Rezensionsexemplar!

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