Projektbericht 2013 – Kartoffelanbau im Prinzessinnengarten

Update Juni 2017

Entstehung des Prinzessinnengartens

Urbaner Kartoffelanbau im mobilen Kartoffelsack

Urbaner Kartoffelanbau im mobilen Kartoffelsack (Foto: Prinzessinnengarten)

Robert Shaw ist einer der beiden Begründer des Prinzessinnengartens. Er brachte die urbane Landwirtschaft aus Kuba nach Berlin. Die in Kuba seit den 90er Jahren betriebene “agricultura urbana” entstand aufgrund der damals schwierigen Ernährungslage in Kuba und wird bis heute erfolgreich weiterbetrieben.

Gemeinsam mit Marco Clausen suchte Robert Shaw in Berlin eine dafür geeignete Brachfläche und gründeten ab Juli 2009 den Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg als mobile, ökologische und soziale urbane Landwirtschaft mitten in Berlin. Seit dem werden auf einer 5500 qm² großen Brachfläche Biogemüse und seit 2010 Biokartoffeln angebaut.

Professionell begleitet wird der Kartoffelanbau von Bennar Markus, M. Sc. Pflanzenbauwissenschaften. Er ist Autor der Kartoffelberichte wie auch des nun vorliegenden Kartoffelberichts 2013. Dieser Artikel basiert mit freundlicher Genehmigung des Autors auf Auszügen aus dem Kartoffelbericht. Der vollständige Bericht kann beim Autor angefordert werden.

Der mobile Kartoffelsack

Um auf einer kleinen Fläche einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen, entwickelte das Team unter Leitung von Bennar Markus 2010 passend zum mobilen Garten den transportablen Kartoffelsack, abgeleitet von der Kartoffeltonne. Hierzu werden Luft und Wasser durchlässige Polypropylen-Säcke (PP-Säcke) verwendet. Diese kann man gut herunter krempeln, so dass die Pflanzen, im Gegensatz zur Kartoffeltonne, auch im Anfangsstadium schon genügend Licht bekommen. 2012 konnten die stabilen PP-Säcke alle zum zweiten oder dritten Mal infolge wiederverwendet werden und somit zum Nachhaltigkeitsgedanken des Gartens beitragen.

Der höhere Ertrag wird durch das mehrmalige Aufschütten von Erde in den PP-Säcken erzielt. Sobald die Pflanzen ca. 15-20 cm groß und kräftig genug sind, wird wieder neue Erde aufgeschüttet. Dies wird zwei bis drei Mal wiederholt und so bilden sich in jeder neuen Schicht weitere Kartoffeln; bei der Ernte ist der Sack dann voll mit Kartoffeln.

Das Kartoffelprojekt 2013

Ausgereifte Kartoffel-Beeren

Kartoffel-Neuzüchtung: Ausgereifte Kartoffel-Beeren (Foto: A. Sonjadotter 2013)

14 verschiedene Kartoffelsorten wie das Bamberger Hörnchen, die Rote Emma oder den Rosa Tannenzapfen in 280 Säcken standen 20123auf dem mobilen Kartoffelacker im Prinzessinnengarten. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, alte Sorten anzubauen, um somit einen Beitrag zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt zu leisten.

In der Gartensaison 2013 wurde der niedrigste Gesamt-Niederschlag auf dem Moritzplatz der drei letzten Jahre verzeichnet. Die starke Hitze mit über 30°C in den „Wachstumsstarken“ Monaten vom Mitte Juni bis Anfang August machte den Kartoffeln zu schaffen. Bei diesen Temperaturen stellt die Kartoffelpflanze ihr Knollenwachstum ein und auch durch das Gießen kann der Ertrag nicht erhöht werden.

Asa Sonjadotter und Matthias Wilkens haben begonnen, eine eigene Kartoffelsorte zu züchten, die sogenannte „Kreuzberger Sack“. Im diesen wurden die ersten drei eigenen Sorten angebaut.

Alle Ergebnisse zu Keimungsgeschwindigkeit, Keimungsrate und den Erträgen der verschiedenen Kartoffelsorten in unterschiedlichen Substraten findet der interessierte Leser im Kartoffelbericht 2013 des Prinzessinnengartens, der im PDF-Format heruntergeladen werden kann.

Bennar Markus

Bennar Markus ist im Projekt Prinzessinnengarten unter anderem verantwortlich für den Kartoffelanbau. Er hat das Bachelor-Studium in Agrarwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin als M. Sc. Pflanzenbauwissenschaften abgeschlossen und im Anschluss daran praktische und wissenschaftliche Arbeit in zahlreichen Praktika verbunden, unter anderem auf dem Demeter Hof Marienhöhe.

Der Prinzessinnengarten

Neben dem Gemüse- und Kartoffelanbau gibt es im Prinzessinngengarten mehrere Bienenvölker, eine Staudengärtnerei und ein Gartenrestaurant. Dort werden die im Prinzessinnengarten erzeugten Bioprodukte zu leckeren Gerichten verarbeitet, die man in einem einzigartigen Ambiente vor Ort genießen kann.

Durch die eigene Gastronomie können ein Teil der laufenden Kosten erwirtschaftet werden. Denn Nomadisch Grün als das Unternehmen hinter dem Prinzessinnengarten bekommt keine staatliche Unterstützung und ist deshalb auf die Mitwirkung und Mithilfe von Menschen angewiesen.

Nachhaltige Zwischennutzung von urbanen Flächen und Partizipation sind die wesentlichen Punkte im Konzept des international anerkannten Projekts für eine ökologische, mobile und soziale urbane Landwirtschaft in Berlin-Kreuzberg. Die Einbeziehung der Nachbarn am Moritzplatz und anderer Menschen auch über Berlin hinaus lässt ein soziales Gefüge entstehen, indem man durch Gespräche oder durch die gemeinsame Arbeit im Garten voneinander lernt.
Weit entfernt von Berlin fühle auch ich mich als Beetpate dem Netzwerk verbunden und möchte mit Beetpatenschaft, Beiträgen zum Foundraising und Berichten über und Links zum Prinzessinnengarten das Projekt unterstützen. In diesem Sinne bedanke mich noch einmal beim Autor des Kartoffelberichts Bennar Markus für die Möglichkeit, aus dem Kartoffelbericht zu zitieren.

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