Der Gartenboden ist Boden des Jahres 2017

Der Boden des Jahres wird jährlich vom Kuratorium des Bodens ausgewählt und präsentiert. Böden und ihre Funktionen im Naturhaushalt sollen mit dieser Aktion ins Bewusstsein gerückt werden für einen verantwortungsbewussten Umgang und Schutz dieser lebenswichtigen Ressource.
Das ist für uns Gärtner natürlich nichts Neues. Trotzdem lohnt ein Blick auf den Boden des Jahre 2017, denn es geht um den Gartenboden!

Der bodenkundlich definierte „Gartenboden“ heißt in der Fachsprache Hortisol. Nicht jeder Gartenboden ist ein Hortisol. Nur durch jahrhundertelanges Bearbeiten, Bewässern und Anreichern des Rohbodens mit Kompost, Stallmist und Kalk entsteht der typische humose und lockere, stark belebte und fruchtbare Hortisol.
Er kommt in Mitteleuropa nur mehr mit kleinen Flächenanteilen dort vor, wo jahrhundertelang Gartenbau betrieben wurde: Alte Klostergärten mit Gemüse- und Kräuterbeeten, Schloss- und Burggärten und langjährig bewirtschaftete Haus- und Kleingärten.

Natürlich gibt es Gartenböden überall dort, wo wir Gärtner in der Erde wühlen. So wie ich im Boden meines Gemüsegartens. Beim Bau des Siedlungshauses in den 1950er Jahren wurde auf dem Lehm des Tertiären Hügellandes wenig bis gar kein Humus aufgebracht. Seit 10 Jahren versuche ich nun, aus dem Rohboden einen fruchtbringenden Gartenboden zu schaffen – mit mehr oder weniger Erfolg.
Diese 5, 10 oder auch 50 Jahre alten Gartenböden „moderner“ Siedlungen sind im besten Falle auf dem Weg zu einem Hortisol.

Knochenbruchstücke, Ziegelreste und Keramikscherben aus einem Gartenboden in Ostwestfalen. Foto: A. Deppe / Geologischer Dienst NRW)

Und der Boden des Jahres 2017  ist nicht nur Wirtschaftsfläche und Biotop, sondern auch ein wichtiges Archiv unserer Kulturgeschichte.
So gelangten mit Kompost und Küchenabfällen, Herdasche und Hofkehricht auch Scherben, Ziegelreste, Knochen und anderer Zivilisationsschutz in die Gartenböden. Archäologen kann das als wichtige Informationsquelle dienen.

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