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Verträgliche Apfelsorten bei Apfelallergie – Studie & Datenbank für Allergiker

Reifer Boskoop-Apfel am Baum, gut verträglich bei Apfelallergie, Foto by Johann Seidl, Gartenpoet
Der Boskop im Freisinger Naturgarten ist für Apfelallergiker mit seinem sehr hohen Gehalt an Polyphenolen gut verträglich. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog
 

Äpfel gelten als gesund – doch für viele Menschen mit Apfelallergie ist der Genuss mit unangenehmen Reaktionen verbunden: Jucken im Mund, geschwollene Lippen oder sogar Atemprobleme. Die gute Nachricht: Nicht alle Apfelsorten lösen diese Symptome aus. Vor allem alte, wenig gezüchtete Sorten werden von vielen Betroffenen besser vertragen. In diesem Beitrag erfährst du, woran das liegt und welche Sorten sich bei Apfelallergie bewährt haben.

Was ist eine Apfelallergie?

Illustration der Apfelsorte Kaiser Wilhelm mit Hinweis: „Apfelallergie – alte Sorten fast ausnahmslos verträglich. Quelle: Flyer Apfelallergie, BUND-Info
Alte Sorten wie der „Kaiser Wilhelm“ gelten bei Apfelallergie als fast ausnahmslos verträglich. Quelle: Informationsflyer „Apfelallergie“, BUND Lemgo

Bei einer Apfelallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe im Apfel. Besonders häufig betroffen sind Menschen mit einer sogenannten Kreuzallergie auf Birkenpollen, da die Eiweiße beider Pflanzen sehr ähnlich sind. Typische Symptome treten meist direkt nach dem Verzehr auf: Kribbeln im Mund, geschwollene Lippen oder Juckreiz im Hals. Gekochte Äpfel werden oft besser vertragen, da die Eiweiße durch Hitze verändert werden.

Warum alte Sorten oft besser verträglich sind

Alte Apfelsorten enthalten meist deutlich mehr Polyphenole – das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken und dabei helfen können, allergieauslösende Eiweiße im Apfel zu binden oder abzubauen. Moderne Züchtungen wurden hingegen auf Süße, Aussehen und Lagerfähigkeit optimiert, was überwiegend mit einem geringeren Polyphenolgehalt einhergeht. Besonders verträglich sind oft vollreife, direkt vom Baum geerntete Äpfel – idealerweise aus dem eigenen Garten oder vom regionalen Streuobstmarkt.

Apfelallergie-Projekt

Die Lemgoer Ortsgruppe des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland startete 2005 ein Apfelallergieprojekt. Der Anstoß dazu kam, als ein Apfelallergiker auf einer Exkursion entdeckte, dass er einige alte Apfelsorten problemlos vertragen konnte. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, eine Datenbank mit für Allergiker verträglichen und unverträglichen Apfelsorten aufzubauen. Das Projekt verfolgt drei Hauptziele:

  • Apfelallergikern ihre Lebensqualität zurückgeben
  • alte Apfelsorten erhalten
  • Streuobstwiesen durch erhöhte Nachfrage schützen

Verträgliche Sorten & Obstsortendatenbank

Nahaufnahme der Blüte eines Boskop-Apfelbaums im Naturgarten – eine robuste, alte Sorte, die bei Apfelallergie oft gut verträglich ist. Foto by Johann Seidl, Gartenpoet
Apfelblüte des Boskop im Freisinger Naturgarten – ein altbewährter Apfel mit hoher Verträglichkeit für Apfelallergiker.
Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

In der inzwischen umfangreichen Datenbank des Projekts sind über 2.000 Apfelsorten gelistet, die auf ihre Verträglichkeit hin untersucht wurden. Auch eine Lieferantendatei für diese Sorten ist verfügbar. Die Webseite des BUND Lemgo gilt heute als wichtigste Anlaufstelle für Apfelallergiker in Deutschland. Positive Rückmeldungen wie die von Jessica B., die durch das Projekt beschwerdefrei wurde, bestätigen die Relevanz.

 

Die zentrale Ressource für Betroffene ist die Obstsortendatenbank des BUND Lemgo. Sie enthält ausführliche Angaben zur Verträglichkeit, Herkunft, Bezugsquellen und Eigenschaften hunderter Apfelsorten. Ergänzend steht die jährlich aktualisierte Sortenliste mit Verträglichkeitsangaben als PDF zur Verfügung. Die aktuelle Version ist hier verlinkt:

Studien und Forschungsergebnisse zu Apfelallergie Sorten

Bereits 2011 zeigte eine erste Studie, dass Apfelsorten mit hohem Polyphenolgehalt besser verträglich sind. Diese als Apfelallergie Sorten bezeichneten Apfelsorten können sogar zur Desensibilisierung beitragen: Beim regelmäßigen Verzehr wurden auch andere allergische Beschwerden wie Heuschnupfen gemildert – wie eine Untersuchung mit über 100 Probanden bestätigte.

Erhalt alter Apfelsorten in Gärten und Streuobstwiesen

Wer einen eigenen Garten hat, kann gezielt auf regionaltypische oder bewährt verträgliche Sorten setzen. Besonders empfehlenswert sind Hochstamm- oder Halbstamm-Bäume auf langlebiger Unterlage – sie liefern über Jahrzehnte aromatische Früchte und schaffen wertvollen Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleinsäuger.

Auch Streuobstwiesen spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt alter Sorten. Sie verbinden Naturschutz, Landschaftspflege und Obstbau – und bieten ideale Bedingungen für die Erhaltung seltener Apfelarten. Viele Regionen fördern Neupflanzungen oder stellen Sortenempfehlungen zur Verfügung.

Jede gepflanzte alte Apfelsorte ist ein Beitrag zum Geschmack, zur Gesundheit – und zum kulturellen Erbe unserer Obstvielfalt. Wer sich engagieren möchte, findet bei Pomologen-Verein e.V., regionalen Naturschutzgruppen oder Baumschulen passende Ansprechpartner.

Um die Lebensdauer und Vitalität der Bäume zu erhalten, ist ein regelmäßiger, fachgerechter Schnitt wichtig. Tipps dazu bietet meine Buchbesprechung zu Obstbaumschnitt. Auch moderne Hilfsmittel wie eine Elektro-Astsäge mit Teleskopstiel können die Pflege alter Obstbäume erleichtern.
Noch mehr Beiträge rund um alte Obstsorten und Gartentipps findest du im Bereich „Obst“ im Freisinger Gartenblog.

Kennst du eine alte Apfelsorte, die du trotz Allergie verträgst? Lass uns an deinem Wissen teilhaben und schreib’s in die Kommentare!

Häufige Fragen zur Apfelallergie und alten Sorten

Welche Apfelsorten sind bei Apfelallergie gut verträglich?

Viele alte Sorten wie Boskop, Kaiser Wilhelm, Berlepsch oder Alkmene gelten als gut verträglich. Sie enthalten mehr Polyphenole, die allergieauslösende Eiweiße im Apfel binden oder abbauen können.

Warum vertragen viele Allergiker alte Apfelsorten besser?

Alte Sorten wurden nicht auf süßen Geschmack oder Hochglanz gezüchtet, sondern bewahrten einen hohen Polyphenolgehalt. Diese Stoffe können die allergische Reaktion abschwächen – insbesondere bei Kreuzallergien mit Birkenpollen.

Hilft es, Äpfel zu schälen oder zu kochen?

Ja, beides kann helfen: Viele allergene Eiweiße sitzen in der Schale oder werden durch Hitze zerstört. Gekochte Apfelgerichte (z. B. Apfelmus, Kuchen) werden oft besser vertragen als rohe Früchte.

Gibt es eine Datenbank für verträgliche Sorten?

Ja, die Obstsortendatenbank des BUND Lemgo listet über 2.000 Apfelsorten mit Verträglichkeitsangaben, Herkunft und Bezugsquellen.

Kann Apfelverzehr eine Allergie langfristig verbessern?

Einige Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr gut verträglicher Sorten zur Desensibilisierung beitragen kann – insbesondere im AppleCare-Projekt mit Birkenpollenallergikern. Dies sollte aber immer mit allergologischer Begleitung geschehen.

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