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Buchbesprechung: Feldversuch. Unser Stück Land vor den Toren der Stadt

Illustration eines grünen Feldes mit Ackerfurchen und schwarzem Spaten auf hellem Hintergrund
Buchcover: „Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt“ von Max Scharnigg. Foto © Verlag / Fischer Taschenbuch

Am Bahnhofsbuchladen beim Stöbern gefunden und am selben Tag ausgelesen :)

Zwischen Großstadt und Ackerfurche

Was passiert, wenn ein Münchner Journalist ein Stück Land pachtet und beschließt, fortan Gemüse anzubauen? Feldversuch ist die literarische Antwort auf diese Frage – und zugleich weit mehr als ein Gartenbuch. Max Scharnigg beschreibt in seinem Sachbuch mit erzählerischem Anspruch den Weg vom urbanen Beobachter zum lernenden Ackerpächter. Dabei geht es weniger um perfekte Erträge oder agrarische Effizienz als um Erfahrung, Irrtum, Selbstironie und das langsame Verstehen von Natur, Boden und Zeit.

Schon der Untertitel Unser Stück Land vor den Toren der Stadt macht deutlich, dass hier zwei Welten aufeinandertreffen: Stadt und Land, Theorie und Praxis, romantische Vorstellungen und harte Realität. Genau aus dieser Reibung zieht das Buch seine Energie.

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Titel: Feldversuch. Unser Stück Land vor den Toren der Stadt

  • Autor: Max Scharnigg
  • Herausgeber: FISCHER Taschenbuch
  • Erscheinungstermin: 8. März 2012
  • Auflage: 2.
  • Sprache: Deutsch
  • Seiten: 224
  • ISBN-10: 3596188660
  • ISBN-13: 978-3596188666
  • Abmessungen: 12,7 × 2 × 19,2 cm

Hinweis: Das Buch wurde regulär erworben. Die Rezension erfolgte unbeeinflusst und spiegelt meine eigene Meinung wider.

Humorvoll scheitern – und daran wachsen

Was Feldversuch so lesenswert macht, ist der Tonfall. Scharnigg erzählt mit Witz, feiner Beobachtungsgabe und einer großen Portion Selbstironie. Jubel, Pleiten, Pech und Pannen wechseln sich ab, oft innerhalb weniger Seiten. Der Autor scheitert, verzweifelt, lernt – und lacht über sich selbst.

Eine Rezension bringt es sehr treffend auf den Punkt: Nach der Lektüre nehme man sich selbst nicht mehr ganz so ernst, sei weniger enttäuscht, wenn etwas misslinge, und glaube nicht mehr jedes Gartenmärchen. Genau das ist die große Stärke des Buches: Es entzaubert den Mythos vom „grünen Daumen“, ohne die Faszination des Gärtnerns zu zerstören.

Die fachlichen Informationen – zu Pflanzkombinationen, Böden, Zeitpunkten und Erwartungen – sind stets in die Erzählung eingebettet. Nie dozierend, nie belehrend, sondern beiläufig und dadurch umso nachhaltiger. Wer selbst gärtnert oder mit dem Gedanken spielt, ein Stück Land zu pachten, findet hier praktische Hinweise, die durch gelebte Erfahrung legitimiert sind.

Unterhaltung statt Handbuch

Mehrere Rezensionen betonen, dass Feldversuch kein klassisches Gartenhandbuch ist – und das ist als Kompliment zu verstehen. Es ist ein Buch „für zwischendurch“, locker geschrieben, gut lesbar, aber mit Tiefgang. Manche Leserinnen und Leser hätten sich mehr Vielfalt oder größere thematische Spannweite gewünscht, andere empfinden einzelne Episoden als zu ähnlich. Doch selbst kritische Stimmen gestehen dem Buch starke Momente und eine eigene Atmosphäre zu.

Gerade diese serielle Struktur – kurze Episoden, kolumnenhaftes Erzählen – passt zum Ursprung des Textes: Scharnigg schrieb ursprünglich für die Süddeutsche Zeitung. Das merkt man dem Buch an, im besten Sinne. Diese journalistische Herkunft prägt Stil und Rhythmus: präzise Beobachtungen, pointierte Szenen, ein Gespür für das Absurde im Alltäglichen. Das Feld wird zum Experimentierraum – nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Haltungen, Erwartungen und Selbstbilder.

Klappentext und Süddeutsche Zeitung

Aus dem Klappentext:

Max Scharnigg beackert zusammen mit seinem lieben Fräulein ein Stück Land vor den Toren Münchens. Von den ersten Gehversuchen der beiden Städter als Hobby-Landwirte, von Zuchterfolgen und Missernten berichtet er nun offen, ehrlich und mit einer großen Portion Selbstironie.

Kolumne: Feldversuch – Im Samentütchenrausch

Ein Bauer am Ammersee verpachtet sein Feld. Ein Münchner hat die Chance ergriffen und baut zum ersten Mal in seinem Leben Gemüse an. Von nun an jeden Dienstag: die Kolumne „Feldversuch“.

Für wen ist dieses Buch?

Feldversuch richtet sich an weit mehr als nur Hobbygärtner oder angehende Ackerpächter. Es ist ein Buch für alle, die sich nach Erdung sehnen, nach einem Gegenpol zur Beschleunigung des urbanen Lebens. Eine begeisterte Rezension nennt es sogar „mein bestes Buch des Jahres“ – nicht wegen spektakulärer Erkenntnisse, sondern wegen seiner Wirkung: Nach der Lektüre wolle man selbst ein Stück Land haben. Versprochen, sogar ohne grünen Daumen.

Gerade Gartenanfänger profitieren von dieser Perspektive. Wer bereits gärtnert, erkennt sich wieder: im Übermut, im Zweifel, im Überfluss an Gemüse, der plötzlich die Küche lahmlegt. Und wer nie einen Spaten in der Hand hatte, bekommt Lust, es zumindest zu versuchen.

Über den Autor

Max Scharnigg, Jahrgang 1980, arbeitet als Journalist und Autor in München. Er war Redakteur bei jetzt.de, dem jungen Magazin der Süddeutschen Zeitung, und schreibt unter anderem für das SZ-Magazin und Architectural Digest. Bekannt wurde er zunächst mit dem Sprach- und Gesellschaftsbuch Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden (2010). Sein Romandebüt Die Besteigung der Eigernordwand unter einer Treppe (2011) wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis. Mit Feldversuch (2012) verbindet Scharnigg literarisches Erzählen mit Alltagsbeobachtung und Naturerfahrung.

Fazit

Feldversuch ist kein Ratgeber, der sagt, wie es geht. Es ist ein Buch, das zeigt, wie es ist. Warmherzig, klug, humorvoll und entlastend. Wer gärtnert, lacht. Wer es noch nicht tut, bekommt Lust. Und wer glaubt, alles im Griff haben zu müssen, lernt vielleicht, dass Scheitern dazugehört – auf dem Acker wie im Leben.

Blogparade:

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Das passt super vor Weihnachten: es wird sich dabei sicherlich das eine oder andere Gartenbuch für einen Gartenfreund finden. Schaut öfter mal dort vorbei – die Liste ist am wachsen!

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