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Rhabarberblätter & Rhabarberblüte: Schneckenfalle, Dünger, Bienenweide

Große grüne Rhabarberblätter in Nahaufnahme im Gartenbeet, frisch und kräftig gewachsen. Foto by Johann Seidl, Gartenpoet
Rhabarberblätter - Kraftquelle für den Garten

Jetzt ist Rhabarberkuchenzeit! Bei der Ernte der begehrten Stangen fallen im Garten immer die beeindruckenden Rhabarberblätter an. Da stellt sich unwillkürlich die Frage: Was tun mit Rhabarberblättern?
Rhabarberblätter eignen sich gut für die Herstellung von speziellen Brühen und helfen bei der Regulierung von Nacktschnecken im Naturgarten. Mancher Mythos rankt sich um die Rhabarberblüte. Richtig ist jedoch: Sie ist eine wertvolle Bienenweide!

Kann ich Rhabarberblätter direkt gegen Schnecken einsetzen?

Nacktschnecken haben sich auf dem Rhabarberblatt versammelt
Rhabarberblätter sind eine effektive Schneckenfalle

Nacktschnecken lieben die Blätter vom Rhabarber!
Legt man die Rhabarberblätter auf freien Flächen im Garten aus, verkriechen sich die Schnecken tagsüber gerne darunter. Sie nutzen die Blätter als Sonnenschutz und schätzen das feuchte Klima zwischen Gartenboden und dem aufliegenden Rhabarberblatt. Und wenn das Rhabarber-Laub etwas welkt, knabbern dabei auch gerne daran.
Zum abendlichen Absammeln der Nacktschnecken muss man nun nicht lange suchen: Rhabarberblatt hochklappen und einsammeln.

Wie wirkt Rhabarber-Brühe gegen Blattläuse?

Der hohe Gehalt an Oxalsäure macht das Rhabarberblatt ungenießbar für Mensch und Tier. Aus demselben Grund ist ein Rhabarbersud ein probates Hilfsmittel, insbesondere gegen schwarze Blattläuse. Die Oxalsäure stört deren Stoffwechsel – eine natürliche und effektive Pflanzenabwehr, die ganz ohne chemische Mittel auskommt.

Informationen über die Zubereitung und Anwendung der Rhabarber-Brühe gegen Blattläuse findest du auch auf freudengarten.de.

Wie verwende ich Rhabarberblätter als Dünger?

Infografik zur Nährstoffzusammensetzung von Rhabarberblättern mit Angaben zu Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Vitamin C und Oxalsäure - 
Infografik by Johann Seidl, Gartenpoet
Rhabarberblätter enthalten Kalium, Kalzium und Oxalsäure – ideal für Jauche und zur Abwehr von Blattläusen.

Rhabarberblätter enthalten wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium, die für die Gesundheit und Widerstandskraft von Pflanzen essenziell sind. Sie können als milde Jauche angesetzt werden – ideal zur gezielten Versorgung von Gemüsepflanzen.

Kalium – der Widerstandskraftverstärker

Kalium stärkt die Zellstruktur, reguliert den Wasserhaushalt und schützt vor Trockenstress, Frost und Schädlingsbefall. Auch Aroma und Lagerfähigkeit von Gemüse verbessern sich durch Kaliumgaben.

Kalzium – der Strukturbauer

Kalzium stabilisiert Zellwände, fördert die Wurzelbildung und hilft bei der Signalweiterleitung innerhalb der Pflanze – besonders wichtig für die Winterhärte und bei jungen Trieben.

Phosphor – der Energiespender

Phosphor unterstützt die Energieversorgung (ATP), die Blütenbildung und die Fruchtentwicklung – vor allem bei Tomaten, Kürbissen oder Zucchini ein echter Ertrags-Booster.

Magnesium – der Fotosynthese-Treiber

Magnesium ist zentraler Bestandteil des Chlorophylls – ohne es funktioniert keine Fotosynthese. Es unterstützt die Umwandlung von Licht in Energie und trägt damit direkt zur Vitalität der Pflanze bei.

Praxisbeispiel: Mein Rosmarin hat sich nach der regelmäßigen Gabe von Kalium-Jauche deutlich robuster gezeigt – besonders im Winter.

Rezept: Rhabarberblätter-Jauche einfach ansetzen

  • 1 Teil zerkleinerte, frische Rhabarberblätter (z. B. 1 kg)
  • mit 5 Teilen Wasser (z. B. 5 L) ansetzen
  • 2–3 Tage stehen lassen
  • absieben und mit 5–10 Litern Gießwasser verdünnen

Besonders geeignet für Starkzehrer wie Kohl, Kürbis, Tomaten oder Sellerie.

Rhabarberblätter als Mulch – clever verwertet nach der Ernte

Rhabarberblätter, die bei der Ernte des Gemüses – zum Beispiel für einen Rhabarberkuchen – anfallen, müssen keineswegs entsorgt werden. Sie eignen sich hervorragend als natürliche Mulchschicht im Garten.

Gerade im späten Frühjahr, wenn noch wenig anderes organisches Material wie Rasenschnitt oder Laub zur Verfügung steht, kommen die großen, derben Blätter genau richtig. Sie lassen sich flächig auslegen, unterdrücken Unkraut, schützen den Boden vor Austrocknung und liefern beim Verrotten wertvolle Nährstoffe.

Ein besonderer Vorteil: Rhabarberblätter verrotten relativ langsam – ideal für eine Mulchwirkung über mehrere Wochen hinweg. Währenddessen bieten sie nicht nur Schatten für den Boden, sondern auch Lebensraum und Futter für zahlreiche Bodenorganismen.

Besonders Regenwürmer profitieren von dieser Art Mulch. Zwar fressen sie das grobe Blattgewebe nicht sofort, aber mit der beginnenden Zersetzung wird das Material für sie zugänglich. Was genau Regenwürmer im Garten am liebsten fressen – und wie du ihren Lebensraum gezielt förderst – erfährst du in meinem Regenwürmer-Steckbrief.

Häufige Fragen zu Rhabarberblättern

Sind Rhabarberblätter giftig?

Ja. Rhabarberblätter enthalten Oxalsäure in hoher Konzentration und sind daher für den Verzehr durch Menschen und viele Tiere ungeeignet. Im Garten können sie jedoch als Jauche, Mulch oder Schädlingsschutz sinnvoll eingesetzt werden.

Können Rhabarberblätter als Dünger verwendet werden?

Ja. Frische Rhabarberblätter eignen sich hervorragend zur Herstellung von Pflanzenjauchen. Sie enthalten Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor und stärken so das Wachstum und die Widerstandskraft vieler Gemüsepflanzen.

Helfen Rhabarberblätter gegen Blattläuse?

Ja. Ein Sud aus Rhabarberblättern wirkt durch den Oxalsäuregehalt abschreckend auf Blattläuse, insbesondere auf schwarze Blattläuse. Die Brühe kann nach kurzer Ziehzeit gespritzt werden – ideal im Frühjahr.

Dürfen Kaninchen oder Hühner Rhabarberblätter fressen?

Nein. Weder Kaninchen noch Hühner sollten Rhabarberblätter bekommen, da die enthaltene Oxalsäure für sie giftig ist. Die Blätter sind ausschließlich zur Anwendung im Garten geeignet.

Was tun mit Rhabarberblättern nach der Ernte?

Die Blätter lassen sich im Naturgarten als Mulchmaterial nutzen, in die Jauche geben oder als biologische Schneckenfalle einsetzen. Kompostieren ist in geringen Mengen ebenfalls möglich.

Die Rhabarberblüte – Mythos und Wahrheit

Große Rhabarberblüte im Abendlicht
Die Rhabarberblüte ist ein echter Hingucker im Naturgarten

Wie alles Leben hat auch die Rhabarberpflanze das primäre Ziel, sich zu vermehren. Und wie meist im Pflanzenreich wird dazu eine verlockende Blüte ausgebildet, um unentbehrliche Bestäuber anzulocken. Die stattliche Rhabarberblüte ist für Insekten äußerst attraktiv und wird von Wildbienen, Honigbienen und Hummeln, aber auch zahlreichen Fliegen-, Wanzen- und Käferarten besucht.

Im Sinne eines insektenfreundlichen Naturgartens versteht es sich von selbst, zumindest einige Rhabarber-Pflanzen blühen zu lassen. Das bringt Struktur und Insektennahrung ins Gemüsebeet.

Angebliche Argumente gegen die Rhabarberblüte

  • Definitiv nicht richtig: Die Blüte zeigt das Ende der Erntezeit an.
    Richtig ist: Die Rhabarber-Ernte endet an Johanni am 24. Juni. Nicht vorher! Aber auch nicht nachher. Denn erst danach erreicht die Oxalsäure in den Rhabarberstangen gesundheitsbedenkliche Mengen.
  • Teilweise richtig: Die Blüte verringert den Ertrag.
    Für die Ausbildung einer so imposanten Blüte braucht der Rhabarber Energie und Nährstoffe. Das heißt: Diese Reserven könnten andernfalls in weitere Rhabarberstangen gesteckt werden. Aber der Verlust ein paar weiterer Stangen lässt sich im Hausgarten problemlos verschmerzen.
    Nur wer nach dem 24. Juni erntet, schadet seinem Rhabarber – und letztlich sich selbst.
    Sinnvoll ist es jedoch, nach der Rhabarberblüte den Blütenstängel zu entfernen. Denn die Aussaat der Samen kostet unnötig Kraft – es sei denn, man legt bewusst Wert auf die stilvollen Samenstände.
  • Auf jeden Fall richtig: Wer Platz im Garten hat, kann sich und den Insekten mit einem Chinesischen Zier-Rhabarber Gutes tun. Denn die große Blüte ist eine Augen- und Bienenweide – und liefert große Mengen an Dekormaterial!

Und was passiert nach der Blüte?

Wenn die mächtige Rhabarberblüte verblüht ist, bleibt ein eindrucksvoller Samenstand zurück. Wer ihn stehen lässt, darf sich auf dekorative Fruchtstände freuen – mit hunderten filigranen Samen. Diese reifen bis in den Hochsommer und setzen feine Akzente im Beet. Die Samenstände erinnern an exotische Gräser und eignen sich hervorragend für spätsommerliche Gartenbilder oder sogar Trockensträuße.

Tipp für naturnahe Gärtner*innen: Auch hier gilt: Wer Vielfalt fördern möchte, lässt die Fruchtstände ausreifen – denn sie bieten nicht nur Struktur, sondern auch Rückzugsorte für Insekten.

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