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Das Jahr des Gärtners – Karel Čapek und mein Gartenjahr

Buch „Das Jahr des Gärtners“ von Karel Čapek mit Blumenmotiv auf dem Cover

Karel Čapek und mein eigener Jahresbeginn im Garten.

Ein Buch als Spiegel des Gärtnerlebens

Schwarzweiße Illustration eines Gärtners mit hohen Pflanzen im Garten
Josef Čapek war der ältere Bruder von Karel Čapek

„Das Jahr des Gärtners“ von Karel Čapek gehört zu jenen Büchern, die man nicht einfach liest – man erkennt sich in ihnen wieder. Geschrieben in den 1920er-Jahren, beschreibt Čapek mit feinem Humor, Ironie und tiefer Menschenkenntnis den Jahreslauf eines leidenschaftlichen Gärtners. Die Kapitel folgen nicht nur dem Kalender, sondern vor allem den inneren Bewegungen: Hoffnung, Ungeduld, Enttäuschung, Staunen, Stolz und Müdigkeit.

Wie man zum Gärtner wird
Allem Anschein zum Trotz entsteht ein Gärtner nicht etwa aus Samen oder Schösslingen, auch nicht aus Zwiebeln, Knollen oder Ablegern, man wird zum Gärtner durch Erfahrungen, durch die Umwelt und Naturbedingungen …
Karel Capek, Das Jahr des Gärtners 

Es ist kein Ratgeber im heutigen Sinne. Es ist ein literarisches Gartentagebuch, das das Wesen des Gärtnerns berührt: die Geduld, das Scheitern, die Wiederholung, die Abhängigkeit vom Wetter, vom Boden, vom Zufall – und vom eigenen Optimismus.

“Das Jahr des Gärtners” ist ein wunderbares kleines Büchlein vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Heiter, mit einer Spur Ironie und getragen von der Liebe und tiefem Verständnis zu allen, die sich der Passion des Gärtnerns verschrieben haben, betrachtet Capek die Sehnsüchte  der Gärtner und ihre Eigenarten und Absonderlichkeiten. In diesem literarischen Garten gedeihen weiser Humor und liebevolle Ironie.

Buchdaten & Transparenzhinweis anzeigen

Das Jahr des Gärtners – Karel Čapek

  • Autor: Karel Čapek
  • Originaltitel: Zahradníkův rok
  • Ersterscheinung: 1929
  • Genre: Gartenliteratur, Essay, Humor
  • Besonderheit: Illustrationen von Josef Čapek (je nach Ausgabe)

Hinweis: Eigener Kauf. Keine Verlagspartnerschaft.

Der Autor: Karel Čapek – mehr als nur R.U.R.

Karel Čapek (1890–1938) war ein tschechischer Schriftsteller, Journalist und Dramatiker. International bekannt wurde er vor allem durch das Theaterstück R.U.R. (Rossum’s Universal Robots), in dem er 1920 erstmals das Wort „Roboter“ prägte. Seine Werke reichen von Science-Fiction über politische Satire bis hin zu philosophischen Erzählungen.

Doch jenseits der großen Weltentwürfe war Čapek auch ein zutiefst naturverbundener Mensch. Sein Garten war kein Prestigeobjekt, sondern ein Ort des Beobachtens, des Lernens und des Scheiterns. Genau das macht „Das Jahr des Gärtners“ so zeitlos.

Der kongeniale Illustrator Josef Čapek

Die Covergestaltung und die wunderbaren Illustrationen stammen von Josef Čapek (1887–1945), dem älteren Bruder von Karel Čapek. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei wurde er am 1. September 1939 von den Nationalsozialisten verhaftet und durch mehrere Konzentrationslager deportiert. Im Frühjahr 1945 wurde er im KZ Bergen-Belsen durch das nationalsozialistische Lagersystem zu Tode gebracht – wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht überliefert. Siehe auch: Josef Čapek auf Wikipedia

Karel Čapek selbst starb bereits zuvor, am 25. Dezember 1938, schwer gezeichnet von einer Lungenentzündung. Die zunehmende politische Bedrohung, der Druck durch das nationalsozialistische Deutschland und die Zerschlagung der Tschechoslowakei hatten ihn zuvor bereits körperlich und seelisch stark geschwächt.

Mein Jahresbeginn

Während draußen noch Frostnächte herrschen, beginnt für mich das neue Gartenjahr lange vor dem ersten sichtbaren Grün. Im Haus füllen sich die Anzuchtschalen, das Zimmergewächshaus läuft auf Hochtouren – und die Zeit beginnt plötzlich wieder in Keimdaten zu sprechen.

Anzucht im Spätwinter

Am 3. Februar werden Chili, Paprika und Auberginen pikiert und in einzelne Töpfchen gesetzt. Wenige Wochen später, am 25. Februar, keimen Lauchzwiebeln und Tomaten und wechseln vom warmen Fensterbrett ins deutlich kühlere Zimmergewächshaus. Die Saatkartoffeln dürfen für etwa eine Woche ins Warme, um angetrieben zu werden und Kraft für den späteren Start ins Beet zu sammeln.

Parallel dazu entsteht eine zweite Welle des Frühlings: Blumen werden gesät, ebenso eine weitere Charge Lauchzwiebeln. Zweierlei Sorten Zinnien, Bechermalven und Wicken kommen hinzu. Noch ist alles klein, empfindlich, langsam – und gerade diese fragile Phase zeigt mir jedes Jahr aufs Neue, wie wenig selbstverständlich Wachstum ist.

Galerie: Anzucht und Gartenbeginn

Haselblüte und Frühlingsknotenblume

Irgendwann verlässt der Blick das Zimmergewächshaus und wandert hinaus. Die weibliche Haselblüte und die Märzenbecher – die Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum) – gehören zu den stillen, aber verlässlichen Frühlingsboten. Sie drängen sich nicht auf, sie verkünden kein großes Spektakel. Sie sind einfach da – und genau das macht ihren Zauber aus. Zusammen mit der Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum) bilden sie die kleine, feine Gattung der Knotenblumen (Leucojum bei Wikipedia).

Während draußen diese ersten Zeichen des Frühlings erscheinen, laufen drinnen die Zyklen manchmal schneller als gedacht: Ein Wochenende genügt, und die Sprossen sind ausgewachsen. Die Mungbohnen mit ihren hellgrünen, großen Blättern sehen prachtvoll aus – sind aber in diesem Stadium nicht mehr zum Verzehr geeignet. Auch das gehört zum Gartenjahr: Nicht alles, was gut aussieht, ist auch noch richtig im richtigen Moment.

Galerie: Haselblüte, Märzenbecher, frühe Frühlingsimpressionen

Zwischen Ungeduld und Gelassenheit

Čapek beschreibt den Gärtner als jemanden, der ständig zwischen Ungeduld und Gelassenheit pendelt. Einerseits will alles sofort wachsen, andererseits zwingt die Natur zur Langsamkeit. Gerade der März ist eine solche Schwellenzeit zwischen Planung und Wirklichkeit.
Und selbst nach einer Gartenpause, verursacht durch Wetter oder Alltag, holt einen das Gartengeschehen bald wieder ein: durch neue Keimlinge, durch Gespräche, oder Vorfreude auf die Freising-Weihenstephander Gartentage. All das gehört zu diesem fortwährenden Kreislauf aus Beobachten, Lernen, Staunen und Wiederbeginnen.

Jahresbeginn und Jahresende zugleich: Weihnachtssterne im Frühjahr

Ein leiser Kreis schließt sich für mich jedes Jahr mit den Weihnachtssternen. Was im tiefen Winter als festlicher Glanz in die dunkle Zeit leuchtet, steht im Frühjahr plötzlich in einem ganz anderen Licht. Die roten Hochblätter verlieren ihre Farbe, das kräftige Grün kehrt zurück, neue Triebe entstehen. Der Weihnachtsstern wird wieder zur Pflanze – nicht zur Dekoration.

Er begleitet den Übergang vom Ende zum Anfang, fast unbemerkt. Während draußen die Hasel blüht und die Märzenbecher leise vom Frühling erzählen, vollzieht sich drinnen ein stiller Wandel. Der Weihnachtsstern wächst weiter, treibt neu aus, sammelt Kraft für einen nächsten Zyklus.

Gerade diese Unaufgeregtheit berührt mich jedes Jahr neu: Dass etwas, das wir so fest mit einem Abschluss verbinden, im Verborgenen längst wieder Anfang ist. So verbindet der Weihnachtsstern auf seine eigene Weise das Gartenjahr – von einem Winter zum nächsten, von einem Lichtpunkt zum nächsten.

Galerie: Weihnachtsstern im Austrieb, Frühjahrsentwicklung

Fazit

„Das Jahr des Gärtners“ ist für mich kein Buch für einmaliges Lesen. Es ist ein stiller Begleiter durch das Gartenjahr. Zwischen Anzucht, Haselblüte und Weihnachtsstern erkenne ich mich jedes Jahr aufs Neue in Čapeks Beobachtungen wieder.

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2 Gedanken zu „Das Jahr des Gärtners – Karel Čapek und mein Gartenjahr“

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