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Des Gärtners stille Zeit

Rudbeckie im Spätherbst
Anfang Dezember. Nun ist es wirklich zu Ende, das Gartenjahr. Auch wenn es draußen noch das eine oder andere zu ernten gibt – winterhart wie Rosenkohl oder noch nicht vom Frost heimgesucht wie Pflücksalat und Rucola: Was jetzt nicht getan ist im Garten, wird nicht mehr getan. Die Beete sind leerer geworden, das Holz der Stauden knackt im Frost, und über allem liegt diese besondere Stille, die nur der Winter kennt. Der Garten zieht sich zurück, sammelt Kräfte – und mit ihm auch der Mensch.

Vorbereitung auf das kommende Gartenjahr

Das ist nun die Zeit, in der der Gärtner oder die Gärtnerin zur Ruhe kommen muss und darf. Keine Saat- und Pflanztermine stehen an, kein Unkraut drängt, die Ernte ist sporadisch und erfolgt ohne den sonst so gewohnten Verarbeitungsdruck. Die Tage sind kurz, das Licht schräg, und selbst an sonnigen Stunden bleibt die Kälte spürbar. Es ist die Phase des Innehaltens – eine Pause, die nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf stattfindet.

Zeit also, sich in die warme Stube zurückzuziehen und in die Hängematte oder auf das Sofa zu sinken. Endlich kann man sich bei Kräutertee aus dem eigenen Garten oder bei einem guten Glas Wein den angesammelten Gartenheften, Ratgebern und Büchern widmen, die im hektischen Gartenalltag oft ungelesen bleiben. Jetzt ist Raum für Theorie, für Pläne, für neue Ideen. Man blättert durch Sortenlisten, studiert Fruchtfolgen, vergleicht alte Notizen mit neuen Inspirationen und stellt fest, wie viel man auch nach Jahren im Garten immer noch lernen kann.

Geschenke aus dem Garten

Und man beginnt, über Geschenke nachzudenken. Wer bekommt in diesem Jahr welches Stück aus dem Garten? Wen kann man mit Selbstgemachtem beglücken: mit Quittenbrot, Apfelringen, Dörrpflaumen oder Chutneys und Chilisaucen? Mit Marmeladen und Gelees, vielleicht auch mit Hollersirup für den berühmten „Hugo“? Solche Präsente tragen mehr in sich als nur Geschmack – sie erzählen von Sonne, Erde, Geduld und Handarbeit. Sie sind ein Stück Sommer im Winter.

Auch über die eigenen Weihnachtswünsche kann der Gärtner oder die Gärtnerin nun in aller Ruhe nachdenken. Neue Werkzeuge vielleicht, robuste Handschuhe, ein Saatgut-Adventskalender oder endlich das lang ersehnte Hochbeet? Kataloge und Webseiten werden durchforstet, Wunschlisten geschrieben, Ideen verworfen und neu gedacht. Man fragt sich: Was brauche ich wirklich? Was wird mir im kommenden Jahr die Arbeit erleichtern – und was einfach nur Freude machen?

Wünsche und Vorfreude auf das neue Gartenjahr

Gleichzeitig beginnt im Stillen schon die Vorfreude. Noch ist der Garten scheinbar erstarrt, doch unter der Erde lebt es weiter. Regenwürmer arbeiten im Verborgenen, Mikroorganismen zersetzen Pflanzenreste, Nährstoffe werden gebunden. Die Natur hält nicht wirklich Winterschlaf – sie arbeitet nur langsamer. Und auch im Kopf des Gärtners keimen längst neue Vorstellungen: mehr Mischkultur, weniger Einbahnstraßen, vielleicht ein neues Gemüse ausprobieren, alte Sorten bewahren, mutiger werden bei der Gestaltung.

Ich wünsche mir heuer vor allem eines: dass der graue und kalte Januar schnell vorbeigeht. Denn ab dem Februar wird am Fensterbrett angesät, und ab März geht’s wieder hinaus. Dann riecht die Erde wieder nach Neubeginn, dann wandern die Hände wieder durch feuchte Aussaaterde, dann stehen die ersten Töpfchen in Reih und Glied am Licht. Der Winter ist Rückzug – aber auch ein Versprechen. Ein Versprechen darauf, dass alles wieder beginnt.

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