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Australisches Zitronenblatt – Pflege, Vermehrung, Überwintern

Australisches Zitronenblatt (Plectranthus) mit detailreich erkennbaren, dickfleischigen, behaarten Blättern im Nahaufnahme-Foto.
Australisches Zitronenblatt mit frischen Trieben und Blättern. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog
Das australische Zitronenblatt (Plectranthus species) ist eine aromatische und zugleich robuste Kübelpflanze. Mit seinen dickfleischigen, leicht behaarten Blättern verströmt es ein intensives zitronig-würziges Aroma, das in Küche und Haus Anwendung findet. Bei uns wird es vor allem im Topf kultiviert, da es nicht winterhart ist – doch mit den richtigen Pflegetipps, der passenden Überwinterung und einfacher Stecklingsvermehrung lässt sich die Pflanze viele Jahre erhalten.

Was ist das australische Zitronenblatt?

Australisches Zitronenblatt auf der Terrasse in voller Sonne.
Australisches Zitronenblatt auf der Terrasse in voller Sonne. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Das sogenannte australische Zitronenblatt ist im gärtnerischen Handel eine eher uneinheitlich bezeichnete Pflanze aus der Gattung Plectranthus – wahrscheinlich Plectranthus amboinicus, auch bekannt als Indisches Borretsch oder Cuban Oregano. Botanisch gehört sie zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist somit näher mit Oregano, Minze und Thymian verwandt als mit der Zitronenmyrte (Backhousia citriodora), mit der sie häufig verwechselt wird.

Die Pflanze wächst buschig, ist weichtriebig und bildet dicke, rundlich gezähnte, leicht behaarte Blätter aus. Zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern, entfaltet sich ein intensives Aroma – zitronig-würzig mit einer leicht thymianartigen Note. Anders als bei klassischen Küchenkräutern ist der Duft eher überraschend und lässt sich schwer einordnen. Gerade das macht ihren Reiz aus.

Verwendet werden die frischen Blätter sparsam zum Aromatisieren – etwa für Tee, Ölansätze oder Kräuterzucker. Auch roh sind sie essbar, allerdings sehr kräftig im Geschmack. Die Pflanze gedeiht am besten im Kübel an einem sonnigen, geschützten Standort. Sie ist nicht winterhart, lässt sich aber gut frostfrei überwintern und kann durch Stecklinge vermehrt werden.

Herkunft: Wie australisch ist das Zitronenblatt?

Der Name „Australisches Zitronenblatt“ führt leicht in die Irre. Er legt eine Nähe zur Australischen Zitronenmyrte (Backhousia citriodora) nahe – einem echten australischen Baum aus der Familie der Myrtengewächse. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), die zur Gattung Plectranthus gehört und mit der Zitronenmyrte botanisch nicht näher verwandt ist.

Ein botanisches Rätsel

Botanisch stammt das Australische Zitronenblatt höchstwahrscheinlich nicht aus Australien. Die Gattung Plectranthus hat ihren Verbreitungsschwerpunkt vielmehr im tropischen Afrika, auf Madagaskar und in Teilen Asiens.

Im Handel wird die Pflanze meist lediglich als Plectranthus sp. geführt. Gelegentlich findet sich auch der Sortenname Plectranthus ‘Mount Carbine’ – benannt nach dem Ort Mount Carbine im australischen Bundesstaat Queensland. Ob dieser Name auf einen Fundort, eine gärtnerische Selektion oder lediglich auf die Einführung in den australischen Gartenbau zurückgeht, ist jedoch nicht dokumentiert. Ebenso wird die Pflanze mitunter mit Plectranthus bellus, einer auf der Arabischen Halbinsel heimischen Art, in Verbindung gebracht. Ihre genaue botanische Zuordnung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Australien spielt vermutlich eher bei der gärtnerischen Verbreitung der Pflanze eine Rolle als bei ihrer tatsächlichen botanischen Herkunft.

Kein traditionelles „Bushfood“

Während die Zitronenmyrte von den Aborigines seit Jahrhunderten als Heil- und Würzpflanze genutzt wird und bis heute ein fester Bestandteil der australischen Bushfood-Küche ist, gibt es für das Australische Zitronenblatt keine dokumentierte traditionelle Verwendung auf dem australischen Kontinent.

Robuste Blattpflanze mit Potenzial

Beim Australischen Zitronenblatt handelt es sich um eine weltweit kultivierte, robuste Blattpflanze mit großem Potenzial in Küche und Garten. Während der Namensbestandteil „Zitronenblatt“ das intensive Aroma der Blätter perfekt beschreibt, bleibt der Bezug zu Australien vor allem ein gärtnerisches Geheimnis.

⚠️ Achtung vor Mythen im Handel: Das Zitronenblatt ist kein australischer Riesenbaum

Im Internet wird das Australische Zitronenblatt häufig als bis zu 20 Meter hoher australischer Baum beschrieben. Dabei werden zwei völlig unterschiedliche Pflanzen verwechselt:

  • Die Zitronenmyrte (Backhousia citriodora) ist tatsächlich ein in Australien heimischer Baum aus der Familie der Myrtengewächse.
  • Das Australische Zitronenblatt (Plectranthus sp.) ist dagegen eine krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Seine genaue botanische Herkunft ist nicht eindeutig geklärt und liegt höchstwahrscheinlich außerhalb Australiens.

Pflege im Topf & Standorttipps

Zitronenblatt im großen Topf, unterpflanzt mit Kräutern.
Australisches Zitronenblatt im Kübel, unterpflanzt mit Kräutern. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Obwohl das australische Zitronenblatt botanisch zu den wärmeliebenden Arten zählt, lässt es sich bei uns hervorragend im Topf ziehen. Besonders als Kübelpflanze auf Balkon oder Terrasse fühlt es sich in unseren Breiten wohl – vorausgesetzt, es bekommt genug Licht und im Winter Schutz vor Kälte.

Standort

  • Hell und sonnig – ideal ist ein geschützter Platz mit viel direkter Sonne
  • Im Sommer gerne draußen, aber nicht zugig
  • Im Winter hell & frostfrei (z. B. Wintergarten, kühles Fenster), siehe unten.

Topf & Erde

  • Großer Kübel mit Drainageschicht (z. B. Blähton)
  • Durchlässige, nährstoffreiche Erde (Kräuter- oder Zitruserde geeignet)
  • Umtopfen alle 2–3 Jahre, wenn die Wurzeln den Topf füllen

Tipp: Das australische Zitronenblatt lässt sich sehr gut mit anderen Kräutern wie Basilikum oder Thymian unterpflanzen – so hat man alles an einem Platz und nutzt den Topf optimal aus.

Gießen & Düngen

  • Mäßig gießen: gleichmäßig feucht, aber keine Staunässe
  • Im Sommer regelmäßig düngen (z. B. mit organischem Flüssigdünger)
  • Im Winter nur sparsam gießen, nicht düngen

Rückschnitt & Form

  • Gut schnittverträglich: im Frühjahr oder nach der Blüte zurückschneiden
  • Formschnitt möglich, z. B. als kleiner Hochstamm oder buschiger Strauch

Australisches Zitronenblatt vermehren und überwintern

Vermehrung mit Stecklingen

Das Australische Zitronenblatt vermehren gelingt besonders zuverlässig über Kopfstecklinge. Dabei wird ein kräftiger, unverholzter Trieb ausgewählt und in mehrere etwa 10–12 cm lange Stücke geschnitten. Die unteren Blätter werden entfernt, damit sie nicht mit der Erde in Kontakt kommen und dort schimmeln. Gleichzeitig verringert sich die Verdunstung, und der Steckling kann seine Energie gezielt in die Wurzelbildung lenken.
Die abgeschnittenen unteren Blätter müssen dabei nicht entsorgt werden: Sie lassen sich in der Küche für Tee, Sirup oder Aromazucker weiterverwenden.

Die vorbereiteten Stecklinge werden in lockere Erde gesetzt und gleichmäßig angegossen. Wichtig ist, dass das Substrat feucht, aber nicht nass bleibt. Um die Bewurzelung zu erleichtern, werden die Töpfe mit einer Anzuchthaube oder einer einfachen Plastiktüte abgedeckt. So entsteht die sogenannte gespannte Atmosphäre – ein Kleinklima mit hoher Luftfeuchtigkeit, das verhindert, dass die Stecklinge austrocknen, und gleichzeitig die Wurzelbildung fördert.

Nun heißt es Geduld haben: Die Stecklinge mehrere Wochen hell, aber nicht sonnig aufstellen. Nach etwa 3–4 Wochen bilden sich neue Wurzeln, und die jungen Pflanzen zeigen kräftigen Neuaustrieb.

Alle Bilder: © J. Seidl, Freisinger Gartenblog.

Beim Australischen Zitronenblatt gelingt die Vermehrung über Stecklinge meist zuverlässig – besonders, wenn sie im Sommer geschnitten und bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit bewurzelt werden. Samen sind dagegen kaum erhältlich.

Überwinterung

  • Frostfrei überwintern! Die Pflanze verträgt keine Temperaturen unter 7–10 °C.
  • Optimal ist ein heller, kühler Ort – z. B. Wintergarten, Fensterbank, unbeheizter Flur oder Gewächshaus.
  • Gießen nur sparsam: die Erde darf leicht antrocknen, sollte aber nicht komplett austrocknen.
  • Während der Winterruhe nicht düngen.

Ab Mitte Mai darf das Zitronenblatt wieder ins Freie – am besten nach den Eisheiligen, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind.

Häufige Fragen zum Australischen Zitronenblatt

Ist das australische Zitronenblatt essbar?

Ja, das australische Zitronenblatt (Plectranthus amboinicus) ist essbar. Die Blätter schmecken intensiv würzig-zitronig mit einer Note von Thymian. Sie werden frisch oder getrocknet in kleinen Mengen verwendet – zum Beispiel für Tee, Kräuterzucker oder als Würzblatt in herzhaften Gerichten. Siehe meine Seite mit Rezeptideen

Wie gesund ist das australische Zitronenblatt?

Die Blätter enthalten ätherische Öle mit antimikrobiellen Eigenschaften. In der Naturheilkunde wird Plectranthus traditionell bei Husten und Verdauungsbeschwerden eingesetzt – vor allem in Südostasien und Afrika. Eine medizinische Wirkung ist wissenschaftlich jedoch kaum belegt.

Ist das australische Zitronenblatt giftig?

Nein, die Pflanze ist ungiftig und kann bedenkenlos als Küchenkraut verwendet werden. Wichtig: Sie ist nicht identisch mit der australischen Zitronenmyrte (Backhousia citriodora) – beide Pflanzen werden gelegentlich verwechselt, haben aber unterschiedliche Herkunft und Verwendung.

Wie überwintert man australisches Zitronenblatt?

Die Pflanze ist nicht frosthart. Sie sollte vor dem ersten Frost ins Haus geholt werden. Am besten überwintert sie hell und kühl (zwischen 10 und 15 °C), mit wenig Wasser und ohne Dünger.

Wie schneidet man australisches Zitronenblatt?

Ein Rückschnitt im Frühjahr oder nach der Blüte sorgt für einen kompakten, buschigen Wuchs. Die Pflanze ist schnittverträglich und kann bei entsprechender Pflege sogar als Hochstamm gezogen werden.

Was macht man mit Zitronenblättern?

Zitronenblätter von Plectranthus eignen sich hervorragend zum Aromatisieren von Tee, Zucker, Sirup oder Kräuteröl. Wegen ihres kräftigen Aromas sollten sie sparsam dosiert werden.

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