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Rettich pflanzen – so klappt es mit Pflanzrettichen

Rettich pflanzen: Jungpflanze wächst in einer Klopapierrolle, bereit zum Aussetzen ins Beet. Foto by Johann Seidl, Gartenpoet
Rettich pflanzen - die Jungpflanze ist in der Klopapierrolle angezogen worden und bereit zum Auspflanzen.
 

Rettich pflanzen – geht das überhaupt? Viele Hobbygärtner sind unsicher, ob Rettich nur direkt ins Beet gesät werden kann. Normalerweise wird Rettich tatsächlich direkt ausgesät, da die lange Pfahlwurzel empfindlich auf Umpflanzen reagiert. 

Kann man Rettich überhaupt pflanzen?

Ernte eines Pflanzrettichs: Die Wurzel wächst ungestört durch die Klopapierrolle, die im Beet verrottet. Foto by Johann Seidl, Gartenpoet
Pflanzrettich wird geerntet – die Klopapierrolle hat als Pflanzcontainer gedient und verrottet nun im Beet. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Mit wurzelgerechten Anzuchtgefäßen wie speziellen Pflanztöpfen oder sogenannten Rootrainers lässt sich Rettich erfolgreich vorziehen und später ins Beet setzen. Inzwischen bieten auch viele Gärtner:innen auf dem Wochenmarkt sowie Gartencenter fertige Pflanzrettiche an – eine praktische Möglichkeit für alle, die sich die Anzucht sparen möchten.
Mein persönlicher Tipp: Ich ziehe Pflanzrettiche selbst in Klopapierrollen vor. Die Rollen halten die Erde sicher zusammen, lassen die empfindliche Pfahlwurzel ungestört wachsen und verrotten nach dem Einpflanzen im Beet – eine einfache Form des Upcyclings, die zuverlässig funktioniert und man behält die volle Kontrolle über Saatgut, Herkunft und Rettichsorte.

Pflanzrettiche selber ziehen

Mit meinen Pflanzrettichen in der Klopapierrolle habe ich die besten Ergebnisse erzielt. Sie können schon früh ins Beet gesetzt werden, wenn das Pilzwachstum im Boden noch gering ist – so wachsen die Jungpflanzen der Rettichschwärze buchstäblich davon. 
Wichtig ist der richtige Zeitpunkt: Mit der Anzucht nicht zu früh beginnen, denn Rettich keimt sehr schnell und darf nicht zu lange in der Klopapierrolle stehen bleiben. Im Keimblattstadium ist ein Auspflanzen noch zu früh – der Vorsprung-Effekt geht verloren. Ideal ist es, wenn sich 3 bis 4 echte Blätter gebildet haben. Die Jungpflanzen kommen dabei mitsamt der Rolle ins Beet – die Wurzeln bleiben unbeschädigt und das Papier verrottet von selbst.

Ein weiterer Vorteil: Wer Pflanzrettiche selbst zieht, kann den Wuchsvorsprung mit Pflanzenstärkung kombinieren. Schon während der Anzucht lassen sich die Saatrollen mit in Wasser gelöstem Bacillus subtilis gießen. Diese Behandlung kann nach dem Auspflanzen im Beet fortgesetzt werden und erhöht die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Pilzkrankheiten wie die Rettichschwärze.

Schritt für Schritt

Alle Bilder © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Material: Klopapierrollen, kleine Kiste/Schale, alter transparenter Eimer/Deckel als „Mini-Gewächshaus“, Anzuchterde, Etiketten, Sprühflasche

  1. Rollen unten leicht eindrücken, nebeneinander in eine Schale stellen und mit feuchter Anzuchterde füllen.
  2. Je Rolle 1–2 Samen ca. 1 cm tief aussäen, dünn mit Erde bedecken und anfeuchten.
  3. Schale in einen gebrauchten, durchsichtigen Eimer oder unter einen klaren Deckel stellen → sorgt für gleichmäßige Feuchtigkeit und schützt vor Zugluft.
  4. Hell, aber nicht in die pralle Sonne stellen; ideale Temperatur: 12–18 °C. Substrat stets nur leicht feucht halten.
  5. Nach dem Auflaufen auf 1 kräftige Pflanze pro Rolle vereinzeln.
  6. Sobald die Jungpflanzen 3–4 echte Blätter gebildet haben, sind sie pflanzfertig.

Mini-Gewächshaus im Kübel – Upcycling mit Mehrwert

Für die Anzucht nutze ich durchsichtige Kübel, die bei mir im Winter beim Kauf von Vogelfutter übrig bleiben – ein schönes Beispiel für Upcycling im Garten.
Die Klopapierrollen stehen darin dicht an dicht und werden so sicher zusammengehalten. Der transparente Kübel wirkt wie ein kleines Mini-Gewächshaus: Er lässt genügend Licht durch, hält die Feuchtigkeit stabil und schützt die jungen Rettiche gleichzeitig vor Zugluft. Ein kleiner Spalt für Luftaustausch verhindert Schimmelbildung. So entsteht ein gleichmäßiges Mikroklima, das die Keimung fördert und eine leichte Verfrühung ermöglicht – Rettiche können dadurch einige Wochen früher ins Beet gesetzt werden.

Das Kübelgewächshaus ist auch hervorragend geeignet, um früh und sicher Rote Bete anzuziehen.

Pflanzrettiche ins Beet setzen

  • Abhärten: Jungpflanzen 3–4 Tage tagsüber nach draußen stellen.
  • Termin: je nach Region ab Mitte/Ende April frostfrei; Sommer-/Herbstsätze laufend möglich.
  • Pflanzung: Ganze Rolle setzen, Oberkante bündig mit der Bodenoberfläche. Reihenabstand ca. 20 cm, in der Reihe 10–15 cm.
  • Wässern: gut einschlämmen; optional mit Bacillus-Präparat gießen.
  • Pflege: gleichmäßige Feuchte, keine Staunässe; Boden locker halten, Schnecken fernhalten.

Praxis-Tipp: Die Rollen können später mitsamt Papier ins Beet gesetzt werden. Die Wurzel wächst durch das verrottende Material hindurch und bleibt unbeschädigt.

Vorteile von Pflanzrettichen

  • Früherer Start und kräftigerer Wuchs als bei Direktsaat.
  • Weniger Ausfälle; die Pfahlwurzel bleibt beim Setzen intakt.
  • Bei angepasster Kultur geringere Anfälligkeit für Probleme wie Rettichschwärze.
  • Einfaches, günstiges Setup dank Klopapierrollen & Eimer (Upcycling).

Fazit: Rettich pflanzen oder aussäen?

Beides geht. Wer einen sicheren, frühen Start möchte, wählt Pflanzrettiche in Klopapierrollen und setzt sie mitsamt Rolle ins Beet. Direktsaat bleibt die Minimal-Variante für unkomplizierte Bedingungen. Mehr zu Ursachen und Vorbeugung der Krankheit findest du hier: Rettich innen schwarz – was tun bei Rettichschwärze?

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