Wir Gärtnerinnen und Gärtner haben es in der Hand: Mit der Gestaltung und Pflege unseres Gartens können wir etwas für die Artenvielfalt tun. Das gilt ganz besonders für Wildbienen. Ein wildbienenfreundlicher Garten braucht dabei kein aufwendig gebautes Insektenhotel. Entscheidend ist vor allem ein vielfältiger Lebensraum mit Nahrung und geeigneten Nistmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
Wildbienen brauchen mehr als ein Insektenhotel
In Deutschland leben mehrere hundert Wildbienenarten. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe und Aussehen, sondern auch in ihren Ansprüchen an Nahrung und Nistplatz. Manche Arten sammeln Pollen an ganz bestimmten Pflanzen, andere sind weniger spezialisiert. Auch bei den Nistplätzen gibt es große Unterschiede: Einige Wildbienen graben ihre Brutröhren in den Boden, andere nutzen vorhandene Hohlräume, markhaltige Pflanzenstängel, Totholz oder Mauerritzen.
Ein gekauftes Insektenhotel kann deshalb höchstens einen kleinen Teil dieser Bedürfnisse abdecken. Viel wichtiger ist ein Garten, der unterschiedliche Strukturen bietet und nicht überall aufgeräumt ist.
Blütenvielfalt vom Frühjahr bis in den Herbst
Die wichtigste Grundlage für Wildbienen ist ein kontinuierliches Angebot an Blüten. Nektar liefert Energie, Pollen brauchen die Weibchen als Nahrung für ihre Brut. Deshalb sollte im Garten möglichst vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein etwas blühen.
Dabei kommt es nicht allein auf die Menge der Blüten an. Ungefüllte Blüten sind in der Regel besonders wertvoll, weil Nektar und Pollen für die Insekten erreichbar bleiben. Auch unterschiedliche Blütenformen sind wichtig, denn verschiedene Wildbienenarten haben unterschiedliche Körpergrößen und Mundwerkzeuge.
- Frühblüher bieten bereits im Frühjahr Nahrung.
- Blühende Stauden und Gehölze sorgen im Sommer für ein reiches Angebot.
- Spätblüher schließen die Nahrungslücke bis in den Herbst.
- Heimische Wildpflanzen können besonders vielen spezialisierten Arten als Nahrung dienen.
Offene Bodenstellen sind wertvolle Nistplätze
Viele Wildbienen nisten nicht in Insektenhotels, sondern im Boden. Offene, möglichst wenig verdichtete und sonnige Bodenstellen können deshalb im Garten sehr wertvoll sein. Eine kleine Sandfläche, ein sandiger Böschungsbereich oder eine bewusst nicht bepflanzte Stelle kann bereits einen Unterschied machen.
Solche Flächen müssen nicht ständig gepflegt werden. Gerade beim Aufräumen im Garten lohnt es sich, manche Bereiche einfach in Ruhe zu lassen.
Totholz, Pflanzenstängel und andere Strukturen
Auch abgestorbene Pflanzenstängel und Totholz gehören zu einem naturnahen Garten. Sie sind nicht nur Verstecke und Lebensraum für zahlreiche andere Tiere, sondern können auch von Wildbienen genutzt werden.
Deshalb schneide ich abgestorbene Stängel nicht grundsätzlich im Herbst zurück. Ein Teil darf über den Winter stehen bleiben und wird erst im Frühjahr oder noch später entfernt. Auch Totholz darf im Garten ruhig sichtbar bleiben. Was für einen aufgeräumten Ziergarten wie Abfall aussieht, kann für die Artenvielfalt ein wichtiger Baustein sein.
Weniger Aufräumen hilft der Artenvielfalt
Ein Naturgarten muss nicht überall ordentlich aussehen. Laub, abgestorbene Pflanzen, Totholz, Steine, offene Bodenstellen und unterschiedliche Vegetationshöhen schaffen viele kleine Lebensräume. Genau diese Vielfalt macht einen Garten interessant.
Auch beim Mähen lohnt sich Zurückhaltung. Werden nicht alle Flächen gleichzeitig kurz gemäht, bleiben Blüten und Rückzugsräume erhalten. Kleine ungemähte Bereiche können für Insekten bereits wertvoll sein.
Auf Pflanzenschutzmittel möglichst verzichten
Wer Wildbienen fördern möchte, sollte im Garten möglichst auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten. Ein vielfältiger Garten mit gesunden Pflanzen und vielen natürlichen Gegenspielern von Schädlingen ist dafür eine gute Grundlage.
Auch bei vermeintlich harmlosen Mitteln gilt: Nicht alles, was gegen einen Schädling wirkt, ist für andere Insekten ohne Folgen. Im Naturgarten ist es deshalb meist sinnvoller, einen gewissen Fraß und einzelne Schädlinge zu tolerieren.
Wildbienen fördern heißt Lebensräume schaffen
Wildbienen zu schützen bedeutet also weit mehr, als ein Insektenhotel aufzustellen. Ein vielfältiges Blütenangebot, offene Bodenstellen, Totholz, abgestorbene Pflanzenstängel und möglichst wenig Störung ergeben zusammen einen Lebensraum, in dem viele unterschiedliche Arten ihren Platz finden können.
Gerade im eigenen Garten lässt sich damit einiges erreichen. Und neben den Wildbienen profitieren davon zahlreiche weitere Insekten und Tiere.
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