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Kapuzinerkresse – Arzneipflanze des Jahres

Kapuzinerkresse - Arzneipflanze des Jahres 2013
Kapuzinerkresse - Arzneipflanze des Jahres 2013

Wissenschaftler der Universität Würzburg haben die Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt.

Kapuzinerkresse – Zierpflanze, Heilpflanze und kulinarische Entdeckung

Rote Kapuzinerkresse in voller Blüte mit runden Blättern im Hintergrund.
Leuchtend rote Kapuzinerkresse im Sommerlicht. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Die Wahl der Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 lenkt den Blick auf eine Pflanze, die viele bis dahin vor allem als Zierpflanze aus Bauerngärten, Balkonkisten und Naturgärten kannten – deren medizinischer und kulinarischer Wert jedoch lange unterschätzt wurde.

Besonders verbreitet ist bei uns die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus L.). Sie ist die bekannteste Art innerhalb der Gattung und zugleich diejenige, die sowohl im Garten als auch in der Küche und in der Naturheilkunde am häufigsten Verwendung findet.

Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus L.)

Am häufigsten in unseren Gärten zu finden ist die Große Kapuzinerkresse, leicht erkennbar an ihren runden, schildförmigen Blättern und den leuchtend gelben, orangefarbenen oder roten Blüten. Ursprünglich als klassische Zierpflanze geschätzt, hat sie sich längst auch als essbare Gartenpflanze etabliert.

Die jungen, zarten Blätter lassen sich frisch als würzige Zugabe im Salat verwenden. Ihr Geschmack erinnert an Gartenkresse – frisch, leicht scharf und angenehm pikant. Die Blüten dienen nicht nur als dekorative essbare Verzierung, sondern bringen ebenfalls eine milde Schärfe auf den Teller. Besonders interessant sind die geschlossenen Knospen und unreifen Samen: In Essig und Salzlake eingelegt ergeben sie einen aromatischen, regionalen Ersatz für Kapern.
Damit vereint die Große Kapuzinerkresse gleich mehrere Nutzungsebenen: Sie ist Zierpflanze, Gewürzpflanze und Heilpflanze zugleich.

Andere Kapuzinerkresse-Arten außer Tropaeolum majus:

  • Kleine Kapuzinerkresse (Tropaeolum minus L.):
    Eine kleinere, kompakte Art, die in Gärten beliebt ist und ähnlich wie die Große Kapuzinerkresse gepflegt wird.
  • ​Kanarische Kapuzinerkresse (Tropaeolum peregrinum L.):
    Einjährige, kletternde Zierpflanze mit gefransten, gelben Blüten, ideal für Rankhilfen.
  • ​Knollige Kapuzinerkresse (Tropaeolum tuberosum):
    Bildet essbare Knollen, die in Südamerika als Nahrung genutzt werden; rankend mit orangeroten Blüten.

Herkunft und Verbreitung

Die Kapuzinerkresse stammt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Dort wächst sie in klimatisch milden Regionen teils sogar mehrjährig. In Mitteleuropa wird sie vorwiegend einjährig kultiviert, hat sich hier aber als äußerst robuste und unkomplizierte Gartenpflanze etabliert.

Ob im Bauerngarten, im Hochbeet, entlang von Zäunen oder im Balkonkasten – die Kapuzinerkresse ist vielseitig einsetzbar. Ihre langen Triebe klettern, ranken oder breiten sich flächig aus und bilden dichte, blühende Polster.

Blassgelbe Kapuzinerkresse mit Tautropfen auf den Blütenblättern im Makro.
Blassgelbe Kapuzinerkresse im Morgentau. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Zur Herkunft des Namens: Kresse, Schärfe und antike Helme

Der deutsche Name „Kresse“ verweist auf den durch die Senföle erzeugten scharfen Geschmack der Pflanze. Das Wort ist vom althochdeutschen „cresso“ = scharf abgeleitet.

Der lateinische Gattungsname Tropaeolum besitzt eine besonders interessante Herkunft. Der große Naturforscher Carl von Linné fühlte sich beim Anblick der Pflanze an die antike Kriegswelt Griechenlands erinnert. Die runden Blätter sah er als Sinnbild für einen griechischen Schild, die leuchtenden Blüten als Helme der Krieger. So entstand der Bezug zum Begriff „Tropaion“, einem antiken Siegessymbol.

Heilpflanze mit natürlicher Abwehrkraft

Blätter und Blüten enthalten wertvolle antibakterielle Inhaltsstoffe, insbesondere sogenannte Senfölglykoside. Diese Stoffe wirken hemmend auf die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen. Genau diese Eigenschaft macht die Kapuzinerkresse in der Naturheilkunde so interessant.

Traditionell wird sie unter anderem eingesetzt bei:

  • Bronchitis und Erkältungskrankheiten
  • Harnblasenentzündungen
  • Infekten der oberen Atemwege

Nicht umsonst wird sie gelegentlich als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet. In der modernen Phytotherapie wird die Kapuzinerkresse häufig in Kombination mit Meerrettich eingesetzt.

Kapuzinerkresse im naturnahen Garten

Auch für den ökologischen Gartenbau ist die Kapuzinerkresse wertvoll. Ihre offenen Blüten werden gern von Bienen, Hummeln und anderen Insekten besucht. Zudem dient sie als Lockpflanze für Blattläuse und entlastet damit empfindlichere Nachbarpflanzen.

Durch ihren raschen Wuchs bedeckt sie freie Bodenflächen, schützt vor Austrocknung und unterdrückt Beikräuter – eine ideale Pflanze für naturnahe Gartenkonzepte.

Künstlerische Kapuzinerkresse – zwischen Pflanze und Zeichen

Neben den klassischen Naturaufnahmen sind in diesem Beitrag zwei meiner künstlerischen Arbeiten zur Kapuzinerkresse zu sehen. Beide Werke entfernen sich bewusst von der rein botanischen Darstellung und nähern sich der Pflanze auf einer emotionalen, symbolischen Ebene.

Das Aquarell zeigt die Kapuzinerkresse in lockerer, freier Linienführung. Farbe und Form lösen sich stellenweise voneinander, die Blüten wirken schwebend und leicht. Die Pflanze erscheint weniger als Objekt, sondern als Bewegung – als Geste im Raum.
Die zweite Arbeit übersetzt die Kapuzinerkresse in eine abstrakte Lichtkomposition. Leuchtende Linien zeichnen die Blütenform nach, der Hintergrund tritt zurück, die Pflanze wird zur energetischen Struktur. Hier geht es weniger um Naturabbildung als um Rhythmus, Kontrast und innere Form.

Beide Arbeiten ergänzen die fotografischen Naturdarstellungen um eine persönliche, künstlerische Perspektive und zeigen die Kapuzinerkresse nicht nur als Gartenpflanze, sondern auch als Inspirationsquelle.

Kapuzinerkresse in der Malerei

Fazit

Die Große Kapuzinerkresse ist weit mehr als nur ein hübscher Farbtupfer im Garten. Sie verbindet auf eindrucksvolle Weise Zierwert, kulinarischen Nutzen und medizinische Wirkung. Als Arzneipflanze des Jahres 2013 steht sie exemplarisch für die Wiederentdeckung traditioneller Heilpflanzen.
Ob als leuchtende Blüte am Gartenzaun, als würzige Zutat im Salat oder als sanfte Unterstützung bei Infekten – die Kapuzinerkresse ist eine Pflanze, die Tradition und moderne Nutzung auf besonders schöne Weise vereint.

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