Hortisol, der klassische Gartenboden und Boden des Jahres 2017, zählt zu den fruchtbarsten Böden überhaupt.
Erfahre, wie er über Jahrhunderte entstand, warum er selten ist und wie du ihn schützen kannst.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Hortisol?
Mit der Aktion „Boden des Jahres“ wollen Fachleute die Bedeutung unserer Böden für Naturhaushalt und Gartenbau ins Bewusstsein rücken – und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dieser wertvollen Ressource anregen. Für uns Gärtner ist das zwar nichts Neues, doch ein genauer Blick auf diesen besonderen Gartenboden lohnt sich.
Der bodenkundlich definierte „Gartenboden“ heißt in der Fachsprache Hortisol. Nicht jeder Gartenboden ist automatisch einer – erst durch jahrhundertelanges Bearbeiten, Bewässern und Anreichern des Bodens mit Kompost, Stallmist, Pflanzenresten und Kalk entsteht der typische, humose, lockere und stark belebte Hortisol.
Hortisole zeichnen sich durch eine dunkle, humusreiche Oberbodenschicht, eine feinkrümelige Struktur und einen hohen Nährstoffgehalt aus. Das macht sie besonders fruchtbar und ideal für den Gemüse- und Kräuteranbau.
Entstehung und Verbreitung
Hortisole kommen in Mitteleuropa heute nur noch in kleinen Flächenanteilen vor – dort, wo über lange Zeiträume intensiver Gartenbau betrieben wurde. Typische Fundorte sind:
- historische Klostergärten mit Kräuter- und Gemüsebeeten
- Schloss- und Burggärten
- langjährig bewirtschaftete Haus- und Kleingärten

In diesen Flächen ist der Boden oft über mehrere Jahrhunderte gewachsen und gepflegt worden. Dabei wurde der ursprüngliche Untergrund regelmäßig gelockert, organisches Material eingearbeitet und der Humusgehalt kontinuierlich gesteigert.
Moderne Gartenböden – auf dem Weg zum Hortisol
Natürlich gibt es Gartenböden auch überall dort, wo wir Gärtner heute in der Erde arbeiten. So wie in meinem eigenen Gemüsegarten: Beim Bau unseres Siedlungshauses in den 1950er-Jahren wurde auf dem Lehm des tertiären Hügellandes kaum Humus aufgebracht. Seit nun zehn Jahren versuche ich, aus diesem Rohboden einen fruchtbringenden Gartenboden zu schaffen – mit wechselndem Erfolg.
Solche 5, 10 oder 50 Jahre alten Gartenböden moderner Siedlungen sind im besten Fall auf dem Weg zu einem Hortisol, erreichen seine besonderen Eigenschaften aber erst nach sehr langer Zeit.
Hortisol als Kulturarchiv
Der Boden des Jahres ist nicht nur Wirtschaftsfläche und Biotop, sondern auch ein Archiv unserer Kulturgeschichte. Mit Kompost, Küchenabfällen, Herdasche und Hofkehricht gelangten über die Jahrhunderte auch Scherben, Ziegelreste, Knochen und andere Spuren menschlicher Zivilisation in den Boden.
Für Archäologen sind solche Funde wertvolle Informationsquellen, die Rückschlüsse auf Essgewohnheiten, Alltagsleben und historische Gartenkultur ermöglichen.
Warum der Schutz von Gartenböden wichtig ist
Hortisole gehören zu den fruchtbarsten Böden überhaupt – doch ihre Entstehung dauert viele Generationen. Deshalb ist ihr Erhalt besonders wichtig. Ein verantwortungsvoller Umgang bedeutet:
- Verzicht auf übermäßige Bodenverdichtung
- regelmäßige Humusanreicherung mit organischem Material
- Förderung der Bodenfauna
- sparsame und gezielte Düngung
Bodenbewohner Regenwurm
Zu den wichtigsten Bodenbewohnern zählt der Regenwurm. Er lockert den Boden, mischt organisches Material ein und verbessert so die Nährstoffverfügbarkeit. Seine Gänge belüften den Boden und fördern die Wasseraufnahme – unverzichtbar für einen gesunden Gartenboden. So bleibt der Gartenboden auch für kommende Generationen ein fruchtbares Fundament.
- Auch im Gartenblog:
Steckbrief Regenwürmer – lichtscheue Superhelden im Boden
Links zum Thema Gartenboden
Über dieses sehr spannendes Thema kann man sich auf den folgenden Seiten weiter informieren:
-
- Hortisol – der Gartenboden
Gesehen bei Wikipedia - Boden des Jahres 2017 – Gartenboden
Offizielle Website mit Flyer, Poster und Bildergalerie
- Hortisol – der Gartenboden
- Boden des Jahres 2017: Gartenboden (Hortisol)
Information des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) - Boden des Jahres 2017: Der Gartenboden
Infoseite des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen
Dort auch:
Natur des Jahres im Gartenblog

