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Gärtnern für die Artenvielfalt – eine Buchvorstellung

Wildbiene auf einer violett blühenden Pflanze im Garten. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog
Eine Wildbiene besucht das Zottige Weidenröschen – wilde Artenvielfalt im Garten. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Gärtnern für die Artenvielfalt? Eigentlich wollen wir doch vor allem Gemüse und Obst ernten, Kräuter anbauen, schöne Blumen bestaunen oder einfach im Grünen sitzen und entspannen. Doch zunehmend richtet sich das Interesse der Gärtnerinnen und Gärtner auch auf die Vielfalt der Pflanzen und Tiere in ihren Gärten.

Ein Garten für mehr Artenvielfalt

Buch „Gärtnern für die Artenvielfalt“ von Jasmin Schreiber liegt auf einem Baumstamm im naturnahen Garten
„Gärtnern für die Artenvielfalt“ von Jasmin Schreiber zwischen Totholz und Wildpflanzen im Garten. Foto © Johann Seidl, Freisinger Gartenblog

Genau hier setzt Jasmin Schreiber mit ihrem Buch „Gärtnern für die Artenvielfalt“ an: Selbstversorgung oder Erholung und Naturschutz müssen keineswegs Gegensätze sein. Der Garten soll nicht nur unseren eigenen Bedürfnissen dienen, sondern gleichzeitig Lebensraum für möglichst viele Pflanzen und Tiere bieten.

In ihrem Buch „Gärtnern für die Artenvielfalt“ zeigt die versierte Autorin, wie sich Gärten zu vielfältigen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere entwickeln lassen. Dabei geht es nicht nur um die Auswahl geeigneter Pflanzen, sondern auch um Boden, Wasser, Kompost, Totholz und unterschiedliche Strukturen. Die Autorin betrachtet den Garten aus der Perspektive seiner zahlreichen Bewohner und verbindet biologisches Wissen mit ihren eigenen Erfahrungen aus unterschiedlichen Gärten.

Dabei richtet sich das Buch nicht ausschließlich an Gartenbesitzer. Auch Balkon, Terrasse oder ein kleiner Vorgarten werden berücksichtigt. Schreiber beschreibt Möglichkeiten, mehr Lebensräume zu schaffen, mit den verschiedenen Gartenbewohnern umzugehen und bestehende Gärten Schritt für Schritt naturnäher zu gestalten. Im Mittelpunkt steht weniger ein festes Regelwerk als die Idee, die Zusammenhänge im eigenen Garten besser zu verstehen.

Buchdaten & Transparenzhinweis

Gärtnern für die Artenvielfalt

  • Autorin und Illustratorin: Jasmin Schreiber
  • Verlag: Kosmos
  • Erscheinungstermin: 21. September 2026
  • Umfang: 256 Seiten
  • Ausstattung: Hardcover, ca. 13,5 × 21,5 cm
  • ISBN: 978-3-440-18491-2

Hinweis:
Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Bewertung basiert auf meiner persönlichen Einschätzung und erfolgt unabhängig vom Verlag.

Die Autorin

Jasmin Schreiber ist Biologin und Schriftstellerin. Bekannt ist sie unter anderem durch ihren Podcast Bugtales.fm und ihre abonnierbare Newsletter-Kolumne Schreibers Naturarium. Ihr besonderes Interesse gilt der kleinen und oft übersehenen Tier- und Pflanzenwelt.

Kein 08/15 Gartenratgeber

Aufgeschlagenes Buch „Gärtnern für die Artenvielfalt“ mit zwei gestalteten Buchseiten und Foto einer gelb blühenden Pflanze
Blick ins Buch „Gärtnern für die Artenvielfalt“ von Jasmin Schreiber. Bild von Verlag, Quelle Website

Das Buch vermittelt einen persönlichen und zugleich wissenschaftlich fundierten Zugang zum naturnahen Gärtnern. Jasmin Schreiber verbindet ihre eigenen Erfahrungen mit Wissen über Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und die ökologischen Zusammenhänge im Garten. Dabei vermittelt sie nicht nur Gartenwissen, sondern macht auch die biologischen Beziehungen sichtbar, die hinter vielen Vorgängen im Garten stehen.

Dabei beschränkt sich das Buch nicht auf den klassischen Garten. Auch Balkon, Terrasse oder ein kleiner Vorgarten werden berücksichtigt. Schreiber zeigt Möglichkeiten, Lebensräume zu schaffen, mit unterschiedlichen Gartenbewohnern umzugehen und bestehende Gärten Schritt für Schritt naturnäher zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente und die Möglichkeiten, die Vielfalt im eigenen Garten gezielt zu fördern.

Auffällig ist die undogmatische Herangehensweise. Statt verbindliche Regeln aufzustellen, lädt das Buch dazu ein, genauer hinzusehen und als Gärtnerin oder Gärtner die Bedürfnisse von Pflanzen und Tieren zu verstehen. Dazu passen auch die kleinen Illustrationen am Seitenrand: Sie sind nicht nur dekorativ, sondern stellen einen Bezug zu den vorgestellten Tierarten her und regen dazu an, diese im eigenen Garten wiederzuentdecken.

Wer jedoch einen klassischen Ratgeber mit kurzen Anleitungen und einer To-do-Liste erwartet, sollte wissen, worauf er sich einlässt: „Gärtnern für die Artenvielfalt“ ist eher ein gartenbiologisches Lehr-Lesebuch als ein klassischer Ratgeber. Es geht weniger darum, eine Liste von Maßnahmen abzuarbeiten, als darum, die Zusammenhänge im Garten zu verstehen und daraus eigene Entscheidungen für dessen Gestaltung und Förderung der Artenvielfalt abzuleiten.

Gestaltung und Lesbarkeit

Bei der Gestaltung gibt es einige Punkte, die den Lesekomfort etwas beeinträchtigen können. Die Schrift fällt teilweise relativ klein aus, zudem sind manche Farben in den Infobereichen eher kontrastarm. Das macht einzelne Passagen nicht ganz so leicht lesbar. Auch die Seitengestaltung ist stellenweise recht kompakt. Wenig Weißraum und längere Absätze lassen die Seiten teilweise dicht wirken. Gerade bei einem Sachbuch, das man auch zum Nachschlagen in die Hand nimmt, könnte etwas mehr Luft zwischen den Textblöcken die Übersicht verbessern.

Etwas ungewohnt ist zudem, dass neue Kapitel teilweise auf der linken Buchseite beginnen. Für die fortlaufende Lektüre ist das kein großes Problem, beim späteren Nachschlagen kann eine klarere visuelle Orientierung jedoch hilfreich sein.

Dem stehen die zahlreichen Fotografien und Illustrationen gegenüber, die das Buch insgesamt abwechslungsreich gestalten. Besonders die teilweise ganz- oder halbseitigen Fotografien vermitteln einen persönlichen Eindruck von den Gärten und der Arbeit der Autorin.

Mein Fazit

Für mich ist „Gärtnern für die Artenvielfalt“ ein wichtiges Sachbuch, das eine sinnvolle, ja notwendige Ergänzung zu den vielen schnell durchzublätternden Gartenratgebern mit ihren immer wiederkehrenden Tipps darstellt. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das Kapitel „Es gibt kein Bienensterben“. Die zunächst provokant wirkende Überschrift wird nicht als einfache Gegenposition zum verbreiteten Bild vom Bienensterben eingesetzt, sondern sachlich eingeordnet und differenziert betrachtet. Dabei wird auch deutlich, dass Honigbienen und Wildbienen nicht einfach gleichzusetzen sind und unterschiedlichen Gefährdungen ausgesetzt sind. Gerade solche Kapitel zeigen, dass Schreiber nicht bei bekannten Schlagworten stehen bleibt, sondern genauer hinschaut und biologische Zusammenhänge erklärt.

Das Buch liefert deshalb nicht einfach fertige Lösungen zum Abarbeiten, sondern vermittelt Hintergrundwissen und hilft dabei, die Zusammenhänge im eigenen Garten zu verstehen. Gerade deshalb sollte man sich auf die Lektüre einlassen und dem Buch etwas mehr Zeit geben.
Wer schnelle Tipps und einfache To-do-Listen sucht, findet dafür zahlreiche andere Ratgeber. Wer dagegen verstehen möchte, wie Artenvielfalt im Garten entsteht und welchen Beitrag der eigene Garten dazu leisten kann, findet hier eine fundierte und anregende Lektüre.

Links zur bunten Natur im Garten

Externe Links

Artenvielfalt im Gartenblog

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